Willkommen

Der Club 55 ist ein internationales Netzwerk und eine internationale Fachvereinigung. Die Experten kommen aus den Bereichen Marketing, Verkauf und Management.

Der kulturelle Auftrag besteht weiter!

Was für ein weites Feld – Kulturen wandeln. Erlaubt sein muss die Frage: Wen oder was? Laut Lexikon drücken sich in dem Wort Kultur das jeweilige Selbstverständnis und der Zeitgeist einer Epoche aus. Das Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Begriffs cultura, der eine Ableitung von lateinisch colere „pflegen, urbar machen, ausbilden“ darstellt. Besser kann man den Anspruch des Club 55 nicht beschreiben, denn dieser steht seit seiner Gründung für zwei gleichermaßen elementare wie auch große Vorhaben!

1959, im Gründungsjahr des Club 55, war das beherrschende Thema ein Ereignis, das erst 40 Jahre später seinen vorläufigen Höhepunkt fand: die Einigung Europas, im Sinnbild der Wiedervereinigung Deutschlands. Die Gründer des Club 55 hatten allerdings weniger die Wiedervereinigung Deutschlands im Kopf als vielmehr die Grundüberzeugung, dass erst ein vereinigtes Europa eine die Schlüsselvoraussetzungen für ein friedvolles Europa schaffen würde.

Es haben sich damals natürlich viele Gruppen und Interessen der unterschiedlichsten kulturellen Ausgangslage diesem Thema gestellt und gewidmet. Erinnert sei nur an die Initialzündung durch das berühmte Treffen zwischen de Gaulle und Adenauer, als Beginn der deutsch-französischen Freundschaft auf der Grundlage von Städtepartnerschaften und einem umfassenden Jugendaustausch.

Doch was bewegte ausgerechnet Verkaufs- und Marketingexperten, sich dieses Themas anzunehmen? Verkaufsexperten sind ja eher extrovertierte Typen, deren energetische Ausstrahlung erst einmal auszuhalten ist – insbesondere dann, wenn in einem Raum gleich mehrere Dutzend dieser Sorte aufeinandertreffen – dann wird schnell aus einem Aufeinandertreffen ein Aufeinanderprallen.

Die Gründungsmitglieder des Club 55, und das ist ein wirklich außergewöhnlicher Aspekt, die allesamt Konkurrenten zueinander sind, waren von einer Idee tatsächlich „beseelt“: wenn es ihnen gelänge, so unterschiedliche egomanische Persönlichkeiten an einen gemeinsamen Tisch zu bringen, und das verpflichtend für eine ganze Woche am Stück pro Jahr, dann könnte das auch der lebendige Beweis dafür sein, dass man sich auch auf allen anderen gesellschaftlichen Ebenen dem verbindenden Thema Europa widmen kann; statt wie in der europäischen Historie oft genug geschehen, den Waffengang zu wählen.

Natürlich könnte man rückblickend sagen: „Der Anfang war gemacht.“ Wobei dieser Satz einen Fehler in sich trägt, denn wenn vom Anfang die Rede ist, dann muss es auch ein finales Ziel geben. Doch ist ein finales Ziel augenblicklich weit entfernt, wenn man die Entwicklung in Polen und Ungarn berücksichtigt. Und welches Europa durch den Flüchtlings-turn-around entsteht, ist völlig offen – es bleibt ein ungeheures Arbeitsvolumen, das vor den Generationen liegt. Also: der politisch-kulturelle Auftrag besteht weiter.

Der zweite kulturelle Aspekt, in dem sich der Club 55 wiederfindet, ist nicht weniger komplex; denn es ist zweifelsfrei eines der höchsten menschlicher Güter, miteinander kommunizieren zu können.

Ich lebe mit folgender Grundüberzeugung: Sinn und Zweck jeder Kommunikation ist die Einflussnahme! Und wer will da nicht alles Einfluss nehmen… Politiker, Journalisten, Schiedsrichter, Lehrer, Moderatoren, Ärzte, Vereinsvorsitzende, Geistliche, Philosophen, Schlagersänger, Richter und Stammtische um nur einige zu nennen und doch Jeden und Alle zu meinen.

Nach meiner berufsbedingten Überzeugung muss in keinem Beruf die Kunst der Kommunikation so perfekt beherrscht werden, wie im Beruf des Verkäufers! Nein, nicht wirklich! Noch viel besser muss die Kommunikationsfähigkeit bei Verkaufstrainern sein, damit das direkte Gespräch zwischen Kunde und Verkäufer klappt und natürlich bei Marketing-Experten, denn diese wollen schließlich gekonnt mit Menschenmassen kommunizieren!

Was ist denn nun die zentrale Botschaft?

Die Überredung etwa? Das Modell wird und wurde in den unterschiedlichsten Formen versucht und ist jeweils immer kläglich gescheitert. Die Manipulation, und sei sie noch so fromm begründet, ging ebenfalls den Weg in die Sackgasse. Die dogmatische Kommunikation hat auch zu keinem besseren Ergebnis geführt – niemals.

Es gibt vermutlich unzählige Formulierungen und Erklärungsversuche, was bitteschön Marketing soll und kann und was Verkaufen an sich bedeutet. Interessant an all diesen Formulierungsversuchen ist einerseits ihre Vielfalt, kombiniert mit dem Brustton tiefster Überzeugung, dass die eigene Formulierung schlussendlich dann doch die „wahre“ Erklärung ist. Hier also eine weitere Formulierung, die selbstverständlich auch den Anspruch erhebt, gültig zu sein. Wie wäre es damit: unser kultureller Ansatz besteht darin, die Wünsche und Anliegen des Anderen zu würdigen?

Zugegeben, dass hört sich weder mächtig noch größenwahnsinnig an – einfach nur simpel und klar. Um wieviel einfacher wäre die Welt unseres Geschäftes, wenn wir nur berücksichtigen, dass es zunächst allein darauf ankommt, die Wünsche und Anliegen unserer Geschäfts- und Gesprächspartner als berechtigt oder zumindest verständlich zu akzeptieren.

Und verstehen können, andere Wünsche und Ansichten als möglich und zulässig zu akzeptieren, das setzt einiges voraus! Ich denke da an ein humanistisches Menschenbild, ein breites Demokratieverständnis, größtes Fachinteresse an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Anderen, an umfassende Kenntnisse in den Bereichen Psychologie und Rhetorik, Philosophie und digitaler Zukunftsplanung. Das alles braucht auch noch ein stabiles Selbstwertgefühl – ach ja, und eine gehörige Portion Humor und Selbstironie, um nicht völlig verrückt zu werden!

Wäre es deshalb vermessen anzuregen, dass der kulturelle Auftrag des Club 55 u.a. dahin zu ergänzen ist, dass bereits in den Schulen die Gedanken, das Anliegen und die Techniken der würdigenden Gesprächsführung zum Unterrichtsfach gemacht werden? Hier finden die Mitglieder des Club 55 ein Aufgabenfeld vor, das inhaltlich locker die nächsten 50 Jahre ausfüllt – und damit wäre auch das Thema der 100-Jahr-Feier gefunden.

2017-05-22T11:01:37+00:00 By |0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar