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Was wir von der Internet-Kultur für unsere Branche lernen können

Das Internet und das Handy haben – wie kaum eine Technologie zuvor – unsere Lebensweise verändert. Gerade wenn Sie in der Zeit vor dem Internet aufgewachsen sind, also ein sogenannter Digital Immigrant sind, dann werden Sie wie viele andere Ihrer Zeitgenossen diesen Kulturwandel zumindest teilweise ablehnen oder kritisch betrachten.

Dank dem Internet, Web 2.0 und Social Media kennen wir heute folgende Schlagworte: Gratis-Kultur, der Schnelle frisst den Langsamen, dauerndes Betastadium, Try and Error, Pull- statt Push-Prinzip, Mitmach-Web oder User Generated Content. Die Liste der Schlagworte ist natürlich noch viel länger. In diesem Artikel möchte ich mich auf wenige Aspekte dieser Entwicklung fokussieren und daraus Erkenntnisse für die «Digitale Transformation» ziehen.

Gratis-Kultur – Freemium-Modell

In einem klassischen, nicht digitalen Geschäftsmodell erstellt man ein Produkt, kalkuliert den Preis und verkauft es am Markt. Bei digitalen Geschäftsmodellen ist das so oft nicht möglich, denn eine Kalkulation bei einem digitalen Produkt zu machen, ist äusserst schwierig. Stellen Sie sich vor, Google oder Facebook hätten ihren Service von Beginn weg ausschliesslich kostenpflichtig zur Verfügung gestellt. Würden Sie heute für eine Suchabfrage bei Google oder einen Kommentar auf Facebook zahlen wollen? Ganz bestimmt nicht, denn Sie sind es sich gewohnt, dass die beiden Services für die genannten Funktionen schon immer gratis waren.

Ein weit verbreitetes Geschäftsmodell im Internet ist das Freemium-Modell. Es gibt einen Teil, der gratis (free) und einen Teil, der kostenpflichtig ist (Premium). Als Beispiel für dieses Modell kann das Business-Netzwerk XING genannt werden. Man kann beim Netzwerk Mitglied sein, ohne dafür bezahlen zu müssen. Nur gewisse Zusatzfunktionen sind über eine Premium-Mitgliedschaft kostenpflichtig.
Was ist aber nun der Nutzen dieser Gratis-Kultur? Angenommen, Sie verbreiten gute und wertvolle Inhalte über einen Blog oder publizieren diese über ein E-Book, das gratis ist. Als klassischer Verleger finden Sie dies bestimmt nicht gut, aber als Unternehmer oder Manager können Sie sich so als Experte für ein Thema profilieren. Sie werden eines Tages dafür bei Google mit einem guten Ranking für Ihr Expertengebiet belohnt werden. So passiert mir das selber immer wieder, dass ich dank meinen Top-Rankings z.B. für «Internet-Strategie» Aufträge bekomme, oder mich Journalisten für Interviews anfragen. Für meine Inhalte werde ich nicht direkt entschädigt, sondern dank den Aufträgen, die ich so bekomme. Das ist das Pull-Prinzip des Online-Marketings, das das Push-Prinzip des klassischen Marketings weitgehend abgelöst hat.

Geschwindigkeit – Try and Error

Alles, was Sie im offenen Internet sehen, kann kopiert werden. Und glauben Sie mir, es wird kopiert. Ich selber habe das auch schon schmerzlich erfahren müssen. Die Konkurrenz im Internet ist gnadenlos – und schnell, sehr schnell. Bei meinem zweiten Arbeitgeber habe ich als Projektleiter in den 80er-Jahren noch gelernt, dass man detaillierte, durchdachte Konzepte erstellen muss. Das ist heute Vergangenheit. Heute ist eine Kultur des «Try and Error» angesagt. Man soll eben nicht in «Schönheit sterben», wie das einmal einer meiner früheren Chefs ausgedrückt hatte.

Es geht darum, rasch neue Funktionen zu entwickeln und diese live zu testen. So machen es uns die Internet-Giganten vor. Sie testen neue Funktionen für eine kurze Zeitspanne oder in einem begrenzten geografischen Raum. Was nichts nützt und nicht genutzt wird, verschwindet wieder.

Google ist eigentlich nie fertig entwickelt, sondern im ständigen Betastadium. Im neuen Zeitalter des Web 2.0 wurde daher der Begriff «perpetual Beta» geprägt, d.h. unser Produkt ist nie fertig, sondern entwickelt sich ständig, und man überlässt den Softwaretest weitgehend den Usern oder sogar Kunden. Und dank der Cloud ist eine Verbreitung online (roll out) denkbar einfach geworden.

Offenheit – User Generated Content

Als die ersten Hotelbewertungsportale wie damals hotelcheck.de (heute holidaycheck.de) populär wurden, hatten vor allem die schlecht bewerteten Hotels oftmals Akzeptanzprobleme damit. Doch diese neue Offenheit hat zu einer grossen Transparenz geführt. Wer nicht über genügend Punkte oder Weiterempfehlungen von Kunden verfügt, wird oft nicht gebucht. Das hat dazu geführt, dass sich die Hotels in Bezug auf die Qualität verbessern mussten, um keine Umsatzeinbussen zu erleiden. Ebenso kann der Gast oder Kunde eine Bewertung auf der Facebookseite des Hotels, bei booking.com oder wo auch immer abgeben. Dieser User Generated Content stellt die neue offene Kultur im Mitmach-Web dar. Das ist nicht bei allen beliebt, aber endlich kann sich der Endkonsument wehren und leistet damit indirekt einen Beitrag zur Verbesserung der Qualität einer Dienstleistung oder eines Produktes.

Tipps für die Nutzung der Internet-Kultur

Vielleicht waren Sie als Digital Immigrant zu Beginn dieses Artikels dem Kulturwandel im Internet gegenüber eher skeptisch eingestellt, doch wenn wir uns ausschliesslich auf die positiven Aspekte konzentrieren, dann können wir folgende Learnings daraus ziehen:

  1. Geben Sie Ihre Erfahrungen in Form von digitalen Inhalten weiter. Sie werden dafür mit einem Top-Ranking bei Google belohnt werden. Ihr Nutzen wird sich indirekt einstellen.
  2. Entwickeln Sie Ihre Produkte rascher als bisher. Erstellen Sie Prototypen, die Sie rasch auf den Markt werfen, um schnell erste Erkenntnisse zu gewinnen.
  3. Nutzen Sie die neue Offenheit dank dem durch Nutzer generierte Inhalte für die Verbesserung der Qualität, was sich in der Folge in besseren Bewertungen auswirken und letztlich zu mehr Umsatz führen wird.
2017-06-07T09:56:29+00:00 By |0 Kommentare

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