Unter den Beratern und Verkäufern finden sich nach wie vor weit überwiegend junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei vielen Unternehmern scheint nur eine Gleichung zu gelten: Jung, dynamisch, flexibel, innovativ und – faltenfrei. Und in den Stellenanzeigen heißt es dann: „Wir suchen Verstärkung für unser junges, dynamisches Team.“ Warum darf es eigentlich nicht auch mal ein „erfahrenes Team“ sein?

„Es gibt keine bedeutenden Unterschiede in der Arbeitsleistung Jüngerer und Älterer zwischen 60 und 70 – egal ob Verkäufer, Fließbandarbeiter, Angestellter oder Anwalt.“ (3. Altenbericht der Bundesregierung, 2001)

Immer noch existieren viele unausrottbare Vorurteile über die Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter: krankheitsanfällig, weniger leistungsbereit, teuer und unproduktiv. Dabei gibt es weltweit keine einzige Studie, die beweisen würde, dass mit zu nehmendem Alter die Produktivität sinkt. Im Gegenteil, unzählige aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Leistungsfähigkeit der älteren Mitarbeiter sogar steigt.

Unternehmen verschwenden also leichtfertig ein enormes Potenzial und sie berufen sich oft auf Klischees, die heute weder aus biologischer noch aus ökonomischer Sicht sinnvoll ist. Ein verheerender Fehler, insbesondere vor dem Hintergrund fehlender Nachwuchs- und Fachkräfte.

Die Jungen laufen schneller, die Alten kennen die Abkürzungen.

Die Mitarbeiter 50plus gehören im Beruf noch lange nicht zum alten Eisen. Die älteste Gruppe der Arbeitnehmer ist oft leistungsfähiger als ihre jüngsten Kollegen, die gerade frisch von der Uni kommen. Die Älteren gleichen eine geringere Ausdauer und Schnelligkeit meist durch Erfahrung und hohe soziale Kompetenz aus. Zu ihren Stärken gehören u.a.:

  • Souveränität bei komplexen Sachverhalten:
    Je unübersichtlicher die Situation, desto sinnvoller ist die Fähigkeit zur Priorisierung.
  • Realistische Selbsteinschätzung:
    Sie sind sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst.
  • Realitätsnahes Entscheidungsverhalten:
    Sie greifen auf viel Erfahrung zurück.
  • Pragmatismus:
    Sie haben einen ausgeprägten Sinn dafür, was machbar ist.
  • Teamplayer:
    Sie besitzen die Fähigkeit, in Teams ebenso rücksichtsvoll wie entschieden mitzuarbeiten. Sie müssen sich nicht profilieren und in den Mittelpunkt drängen.

„Die Auffassung, dass Menschen mit fortschreitendem Alter rigide werden – also die Fähigkeit verlieren, sich wechselnden Bedingungen psychisch anzupassen – und nicht mehr zu kreativen Leistungen fähig sind, ist ebenso weit verbreitet wie unzutreffend. Wer mit 60 rigide ist, war es mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits mit 30. Das Alter spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Insofern wird auch hier die Notwendigkeit eines differenzierten Altersbildes deutlich.“ (5. Altenbericht der Bundesregierung, 2005)

Jünger und älter bedeutet nicht zwangsläufig besser oder schlechter, sondern anders. Während das menschliche Gehirn altert, verliert es zwar an Fähigkeiten, es gewinnt aber auch neue hinzu. Auf Grund ihrer Erfahrung können ältere Menschen schneller eine Lage überblicken und eine Situation einschätzen, während sich Jüngere besser auf Details konzentrieren.

„Das Gehirn, die Emotions- und Motivationssysteme, das Geld- und Konsumverhalten,
die Fähigkeit zu denken und zu lernen, verändern sich mit dem Alter dramatisch.“ (Quelle: Brain View. Warum Kunden kaufen. Haufe. 2009)

Für die Personalpolitik stellen sich im Einklang mit der demographischen Entwicklung folgende Fragen:

  • Wie ausgewogen ist die Altersstruktur unserer Belegschaft?
  • Passen die Altersstrukturen der Beschäftigten und der Kunden optimal zueinander?
  • Was tun wir, um ältere Mitarbeiter zu halten?
  • Wie können Wissen und Erfahrung älterer Mitarbeiter auch nach ihrem Ausscheiden genutzt werden?
  • Gibt es Weiterbildungsangebote für ältere Mitarbeiter?
  • Gibt es einen „Pool“ pensionierter Mitarbeiter, die bei Bedarf mit ihrem Wissen zur Verfügung stehen?

Zukunftsmarkt 50plus

Eine besondere Herausforderung zwischen den Generationen ist die Kommunikation. Sie bestimmt den Umgang von Jung und Alt. Ihr Misslingen ist einer der Gründe für sinkende Umsätze in vielen Firmen. Einfühlungsvermögen im Gesprächsverhalten ist nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch im Umgang mit Kunden erforderlich. Es liegt an den Verkäufern und Beratern, ob sich die Kunden 50plus wohlfühlen und von den Leistungen des Unternehmens begeistert sind – oder ob sie sich lieber nach Alternativen umsehen.

Viele ältere Konsumenten würden gerne von gleichaltrigen Beratern bedient werden, da sie mit ihnen auf der gleichen Alters- und Sozialebene kommunizieren können. Die Vertrauensbildung zu einem vergleichbar alten Verkäufer verläuft in der Regel schneller. Der Kunde hat das Gefühl, dass sein Gegenüber ihn und seine Probleme besser versteht, weil er sich in der gleichen Situation befindet. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Unternehmen ältere Mitarbeiter mit ihren umfassenden Erfahrungen möglichst lange halten, anstatt sie bei der ersten Gelegenheit „loszuwerden“. Die demographische Entwicklung ist berechenbar. Unternehmen tun gut daran, die Konsequenzen zu erkennen, rechtzeitig Entscheidungen zu treffen und sich planvoll um ihre älteren Mitarbeiter und Kunden zu kümmern.

Über den Autor

Helmut Muthers

Helmut Muthers fokussiert sich seit mehr als 15 Jahren auf die Chancen der massiven gesellschaftliche Alterung und den Unternehmenserfolg bei Kunden 50plus. Er ist Betriebswirt und ehemaliger Bankvorstand. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT. Helmut Muthers ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen des Bundesverbandes Initiative 50plus e.V., Mitglied des Präsidiums und Expert-Member des Club 55. Er ist Autor, Mitautor und Herausgeber von mehr als 20 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „30 Minuten Marketing 50+“ und „Wettlauf um die Alten“.

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