Dieses Experiment erklärt mehr als 1000 Worte: Nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit. Setzen Sie sich entspannt hin. Schließen Sie die Augen und beobachten Sie Ihre Gedanken. Wahrscheinlich geht Ihnen jetzt sehr viel – und zwar kreuz und quer – durch den Kopf. Konzentrieren Sie sich in einem zweiten Schritt jetzt auf eine Sache, über die Sie ausschließlich nachdenken wollen. Beobachten Sie sich dabei sehr genau. Achten Sie darauf, wann ein anderer Gedanke die Vorherrschaft übernehmen will. Nach 10, 20 oder 50 Sekunden? Wissenschaftliche Studien zeigen: Die meisten Menschen überwältigt nach deutlich weniger als 60 Sekunden ein anderer Gedanke.

Fokus im Denken und Handeln

Wir wissen jetzt, dass es definitiv schwer ist, sich zu fokussieren. Die gute Nachricht: Wir können es lernen. Was wir davon haben? Je intensiver wir über etwas nachdenken, desto wahrscheinlicher werden wir es auch tun. Oder mit anderen Worten. Was wir nicht denken, können wir auch nicht machen. Je konzentrierter wir dabei im Denken sind, desto eher werden wir entsprechend ins Handeln kommen. Wenn wir dagegen einen Großteil des Tages (mitunter bis zu 95 Prozent) damit verschwenden, uns von einer Anforderung bzw. von einem Gedanken zum anderen treiben zu lassen, werden wir unsere tatsächlichen Absichten nicht in die Tat umsetzen, denn jede Tat muss zu allererst von uns gedacht werden.

Spannungsfelder erkennen

Haben wir uns trotz der Vorgaben des Tagesgeschäftes mit seinen zig Terminen und Telefonaten erfolgreich auf einen Gedanken fokussiert und sind von dieser Sache derart überzeugt, dass wir danach handeln wollen, dann haben wir den ersten Schritt getan. Aber wir haben noch keine Erfolgsgarantie. Denn zwischen dem Denken und dem Handeln besteht ein Spannungsfeld. So sind wir beispielsweise nicht frei von Gewohnheiten und Vorurteilen, die unser Handeln mitbestimmen. Selbst dann, wenn wir Vorurteile hassen und uns nicht von diesen bestimmen lassen wollen, müssen wir uns dieser bewusst werden und in unseren Gedanken aktiv dagegen kämpfen. Das sollten wir wissen, wenn wir uns bzw. unser Handeln ändern wollen.

Der Verlockung widerstehen

Wenn wir einmal am Tag ohne Vorurteile handeln, ist das deshalb bereits ein sehr gutes Resultat. Noch nicht das Ende der Fahnenstange, aber ein Anfang. Und eine gute Motivation, um das anstrengende Stück zu gehen, das zwischen dem einmaligen Handeln und einer neu gewonnenen Gewohnheit liegt. Um also beispielsweise aus unserer Überzeugung, keine Vorurteile zu haben, eine Gewohnheit zu machen, ist es wichtig, möglichst oft ohne Vorurteile zu denken und zu handeln. Denn jedes Mal, wenn wir der Verlockung widerstehen, in unsere alten, vertrauten Verhaltens- und Denkmuster zurückzufallen, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass unsere neue Überzeugung zur neuen Gewohnheit wird.

Gemeinsam nicht allein

Nun sind wir Menschen immer Teil einer Gemeinschaft, zum Beispiel einer Familie, einer Gemeinde oder einem Unternehmen. Wenn wir von unserer Überzeugung, keine Vorurteile zu haben, fest überzeugt sind, müssen wir deshalb andere dafür gewinnen. Reden, das weiß jeder aus seiner Kindheit, bewirkt dabei nicht viel. Und doch hört man immer wieder Appelle und am Ende Verzweiflung, wie bei meiner Mutter, wenn sie mit den Worten klagte: „Ich rede an eine Wand“. Der Hebel, um andere zu überzeugen, ist also nicht das Reden, sondern das Vorbild. Wir müssen unsere Einstellungen vorleben. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern viele Male. Und zwar ohne Ausrutscher. Denn fehlen Sie nur einmal, wird Ihr Vorbildcharakter geschwächt und Sie fangen wieder von vorne an.

Vorleben gewinnt Nachahmer

Konsequent und strikt vorleben und dafür sorgen dass es der Andere auch bemerkt, ist der einzige Weg, um erfolgreich zu sein. Nur wenn Sie konsequent Vorurteile aus Ihrem Gehirn streichen und Ihre Überzeugung bei jeder Gelegenheit in die Tat umsetzen, haben Sie die Chance, dass die Menschen in Ihrem Unternehmen Ihr Verhalten wahrnehmen, hoffentlich bewundern und im Idealfall nachahmen. Denn sie wissen dann in ihrem tiefsten Inneren, dass Sie weise handeln. Dann beginnen Ihre Mitarbeiter, ebenfalls ohne Vorurteile zu denken und zu handeln. Jetzt haben Sie Ihr Ziel fast erreicht. Wenn alle – oder zumindest fast alle – nach Ihrem Prinzip handeln, wird das vorurteilsfreie Handeln langsam zur Unternehmenskultur.

Kultur verbindet

Den enormen Hebel einer guten Kultur sehen Sie schnell. Insbesondere dann, wenn Sie einen neuen Mitarbeiter einstellen. Nach spätestens drei Tagen in Ihrem Unternehmen wird der Neue feststellen, dass er mit Vorurteilen nicht weit kommen wird. Ihre Mitarbeiter werden ihm das nicht einmal sagen müssen. Er erlebt diese Kultur und wird nur bei Ihnen bleiben, wenn er für Ihre Kultur offen ist. Kultur kann deshalb auch selektieren, in diesem Fall Menschen mit Vorurteilen. Aber in erster Linie verbindet eine gute Kultur und macht stark – jeden Einzelnen und das gesamte Team. Deshalb ist es auch eine besondere Herausforderung, eine bestehende Kultur zu ändern, zu verwandeln. Wer sich auf diesen Weg macht, weißt nun: Am Anfang steht immer der eigene Gedanke.