Es gibt im Leben nur vier Fragen von Bedeutung:
Was ist heilig? Woraus besteht der Geist?
Wofür lohnt es sich zu leben? Und wofür lohnt es sich zu sterben?
Die Antwort ist stets die gleiche: Nur die Liebe!

(Aus dem Film „Don Juan DeMarco“)

Zugegeben, als ich vor rund 20 Jahren diese fundamentalen Fragen hörte, waren mir die Tragweite und Kraft, die sie entfalten, nicht bewusst. Heute kann ich der Antwort aus vollem Herzen zustimmen: Mir ist bewusst, dass am Ende des Lebens derjenige Glück erlebt und erfüllt gelebt hat, der lieben konnte und geliebt worden ist. Und nicht etwa derjenige, der materielle Besitztümer angehäuft hat – in Form von gefüllten Bankkonten und Kleiderschränken, von teuren Immobilien oder exklusiven Wohnungseinrichtungen – und über luxuriöse Reisen berichten kann.

Nun ist die Definition von Liebe nicht ganz einfach. Unterschiedliches kann gemeint sein, wenn wir von Liebe reden. Da gibt es die Mutterliebe, die erotische Liebe, die Nächstenliebe, die Selbstliebe, die Liebe zu Gott. Die meisten Menschen halten die Liebe für ein Gefühl oder eine Emotion und gehen davon aus, dass man, ohne zu investieren, die Liebe automatisch erleben und geben kann. Aber die Liebe ist weitaus mehr oder vielmehr etwas ganz anderes. Wie sagt der Neurobiologe Gerald Hüther so treffend: „Liebe ist eben kein Gefühlszustand, sondern eine innere Haltung, eine innere Einstellung, die darüber bestimmt, wie dieser Mensch denkt, wie er fühlt und wie er handelt.“

Wir müssen also in die Liebe investieren, denn eine Haltung erwächst aus der Erfahrung mit anderen Menschen. Wieder Hüther: „Damit man ein Liebender oder eine Liebende werden kann, muss man selbst geliebt worden sein. Und diese Erfahrung kann kein Mensch als Kind oder später im Leben aus sich selbst heraus und für sich allein machen. Dazu braucht er andere Menschen, die ihn lieben. Das aber können nur solche Menschen, die selbst im Verlauf ihres Lebens von irgendjemand geliebt worden sind.“

In Zeiten wie diesen, in denen Egoismus mehr belohnt wird als Kooperation, in denen der Homo oeconomicus und der Neoliberalismus den Eigennutz zum Leitmotiv des Denkens, Fühlens und Handelns erklärt haben, prägen wir eine Beziehungskultur, die vom Gegenteil der Liebe, von Lieblosigkeit gekennzeichnet ist. Wir sind zu Selbstdarstellern geworden. Wir suchen nach Anerkennung und wollen bewundert werden, statt dem anderen und seiner Leistung Aufmerksamkeit zu schenken und ihn wertzuschätzen.

Das, was wir Liebe nennen, ist in Wahrheit eine kulturelle Leistung, für die wir sehr wohl Bedingungen entwickeln, für die wir uns entscheiden können – im Bewusstsein, dass alles mit allem zusammenhängt. Gerade in Phasen der permanenten Mikro- und Makrokrisen erleben wir, wie bedeutsam Nächstenliebe sein kann. Das Gefühl von Zugehörigkeit und die Gewissheit, nicht allein zu sein, gehören zu den Grundbedürfnissen des Menschen und finden in dem Wunsch nach liebender Einheit einen Ausdruck. Ja, es ist die Liebe, die uns mit uns selbst, mit anderen und mit der Welt verbindet! Sie ist heilig! Es lohnt, sich der liebenden Haltung zuzuwenden: der Liebe zur Natur, zu den Tieren, zum Beruf und ganz besonders zu den Mitmenschen!