„Lieber Chef. Ich mag dich! Wäre es anders, hätte ich längstens innerlich gekündigt oder mir hier oder anderswo einen neuen Vorgesetzten gesucht. Gerade weil ich dich schätze, liest du jetzt diese Zeilen. Es ist meine Wunschliste an dich. Ich weiss, Offenheit liegt dir auch am Herzen und darum glaube ich, dass meine Anliegen helfen, unsere Zusammenarbeit noch besser und erfolgreicher zu gestalten.“

1. Schenk mir Wertschätzung

Natürlich freue ich mich über deine Gratulation zum Geburtstag und auch jede Lohnerhöhung betrachte ich als Anerkennung. Doch noch mehr wünsche ich mir übers Jahr mal ein spontanes „Dankeschön“ oder ein konkretes Lob zu einer Sonderleistung. Ich denke dies wäre aus deiner Warte eine gute Investition. Denn ich stelle immer mehr fest, dass mich nichts so stark motiviert wie deine Wertschätzung.

2. Gib mir Schutz

„Ich stehe voll hinter meinen Mitarbeitenden“ – sagst du gerne und ich verstehe, was du damit meinst. Allerdings, als mich im vergangenen Monat die Finanzabteilung wegen eines Regelverstosses attackierte, hätte ich es geschätzt, wenn du als Schutzschild vor mich hin gestanden wärst. Ja, ich hatte meine Kompetenzen überschritten. Doch es war im Interesse des Unternehmens und ich bin überzeugt, damit einen unzufriedenen Kunden „gerettet“ zu haben. In solchen Situationen einen Chef zu haben der meine Sichtweise verteidigt, hätte mein Vertrauen zu dir bekräftigt.

3. Lass mich werden (und mach mich nicht)

Du liebst die Delegation. Das schätze ich ungemein. Nur manchmal fällst du zurück in veraltete Muster und erklärst mir detailliert wie du dir das Vorgehen ausgedacht hast. Weil ich zurückhaltend bin, nicke ich und behalte meine Ideen für mich. Ich verspreche dir, künftig vermehrt meine eigenen Einfälle zu vertreten. Wenn du mich öfters machen lässt, können wir beide profitieren. Du kannst deine Gestaltungskraft anderweitig einsetzen – und ich lerne dazu. So werde ich für dich zu einer noch wertvolleren Mitarbeiterin. Gibt es ein besseres Förderprogramm?

4. Begleite mich

Unser jährliches Mitarbeitergespräch liegt bereits Monate zurück. Ich würde gerne öfter hören, wo ich stehe und wie du mich und meine Leistungen bewertest. Bitte sag jetzt nicht, wir träfen uns ja jeden Tag und da würde genügend Feedback zwischen uns ausgetauscht. Sorry – aber das sehe ich anders. Zeit und Musse für einen fundierten Gedankenaustausch kennen wir doch kaum. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, du lebst nach dem Grundsatz: „Solange ich nichts sage, ist alles in Ordnung“. Eigentlich wünsche ich mir, dass du nicht bloss mein Vorgesetzter, sondern auch mein Coach sein möchtest.

5. Lass mich Fehler machen

Von frühester Kindheit an versuchten Eltern und Schule mich fehlerfrei zu machen. Schon früh ist mir jedoch bewusst geworden, dass Fehler zu meiner Entwicklung gehören. Aus Fehlschlägen habe ich immer lernen und profitieren können. Du weisst, dass ich nicht absichtlich Fehler mache. Das ist bestimmt nicht mein Ziel. Also bitte, beim nächsten Missgeschick, lass uns darüber reden, was wir daraus lernen können und sehen, was es zu verbessern gibt. Das ist es, wozu ich meine Energie verwenden möchte und nicht dazu, Fehler zu kaschieren oder mich für Fehler zu rechtfertigen.

6. Gib mir Orientierung

Dieser Wunsch begründet auf meiner erschreckenden Feststellung, dass viele Kolleginnen, Kollegen (ich inklusive) keine genaue Vorstellung darüber haben, welchem Sinn und Zweck unser Tun letztlich dient. Ich meine damit „Mission und Werte“ unseres Unternehmens. Bestimmt hast du dazu auf deiner Stufe Informationen zur Sicht des „grossen Ganzen“. Es wäre schön, wenn du diese mit uns teilen könntest. Dadurch würden das Engagement und die Identifikation mit unseren Aufgaben bestimmt gesteigert.

7. Vergiss die Freude nicht

Deine Funktion stelle ich mir manchmal schon schwierig vor. Wie im Sandwich, eingeklemmt zwischen Anforderungen von oben und unten. Oft vermittelst du den Eindruck, du hättest die Freude verloren. Das sind Tage, da wünsche ich mir du wärst zu Hause geblieben, anstatt mich mit deinem Missmut anzustecken.
Mach es doch wie ich, suche bewusst Gründe, warum du dich freuen oder wofür du dankbar sein kannst. Es hilft! Ich möchte dich nicht wegen eines Burnouts verlieren.

8. Zeig deine Gefühle

Kürzlich hast du uns an einem Meeting das Johari-Fenster erklärt und Tipps gegeben, wie wir die Kommunikation in unserem Team verbessern können. Die „Arena“ sollten wir vergrössern und dazu mehr von unserer „öffentlichen Person“ preisgeben.
Ich habe oft den Eindruck, dass du bei Vielem uns gegenüber Verstecken spielst.
Es spricht ja nichts dagegen, dass du auch mal mit der Faust auf den Tisch haust um deinen Ärger abzubauen. Wir akzeptieren das. Ich glaube nicht, dass es dir gut tut, mit einem „Manager-Pokerface“ durch den Tag zu gehen. Eher bin ich der Überzeugung, dass du als Chef nur gewinnen kannst, indem du deine Gefühle öfter mit uns teilst.

PS: Können wir gelegentlich zu diesen Themen miteinander reden? Das würde mich freuen.

Deine Mitarbeiterin