Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (Divsi) bezeichnet 27 Prozent der Deutschen als „internetferne Verunsicherte“. Davon sind 63 Prozent 60 Jahre und älter, 42 Prozent sind über 70 Jahre, das Durchschnittsalter beträgt 62. Nach einer Studie des Instituts handelt es sich dabei um sogenannte „überforderte Offliner und Internet-Gelegenheitsnutzer“. Zusammen mit einem weiteren Typus, dem „ordnungsfordernden Internetlaien“ (Schwerpunkt: 40 bis 70 Jahre, Durchschnittsalter 51 Jahre), bilden sie das Milieu der „Digital Outsiders“. Dabei handelt es sich um insgesamt 27,3 Millionen Menschen oder 39 Prozent der deutschen Bevölkerung (Quelle: Zeit online 28.01.2014).

Bebildert sind in der Studie die Abschnitte über diese internetfernen Gruppen mit Fotos von alten Menschen. Damit bedient sich die Studie eines gängigen Klischees: Die sogenannten „Digital Natives“ sind jung, die „Digital Outsiders“ sind alt. Stimmt das aber wirklich so und wie lange noch?

Die älteren Menschen sollten aber in der digitalen Welt nicht leichtfertig unterschätzt und vernachlässigt werden. Immer mehr Ältere erledigen heutzutage ihre Bankgeschäfte und viele Einkäufe im Internet. Sie halten Kontakt zu Verwandten, Bekannten und Freunden per WhatsApp und Skype, schauen sich bei YouTube Videos an, reservieren zum Hochzeitstag den Tisch auf der Website des Restaurants und buchen die Bahnfahrt zum Musical in Hamburg über die entsprechende App auf ihrem Smartphone oder Tablet. Ein Nachbar hat im letzten Jahr mit 85 zum ersten Mal in seinem Leben den Urlaub für seine Frau und sich online gebucht. Soziale Netzwerke wie Facebook bieten ihnen Informationen über das Leben ihrer Angehörigen, ohne dass dafür immer ein persönlicher Kontakt oder Telefonat notwendig ist.

Und in nicht allzu ferner Zeit gibt es wahrscheinlich in jedem Altersheim freies WLAN. Darüber gibt es zwar bislang erkennbar keine Erhebungen, da ein Internetzugang eine freiwillige Leistung der Heime ist. Was wir allerdings – auch im Umkehrschluss zur Studie von Divisi wissen – ist, dass 45 Prozent der über 70-Jährigen in Deutschland das Internet nutzen (Studie der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (Agof)).

Was aber hält die anderen bisher noch davon ab? Gerade durch das Internet hätten die Älteren doch die Möglichkeit, weiterhin am gesellschaftlichen Leben aktiv teilzunehmen und die eigene Autonomie ein Stück weit aufrechtzuerhalten.

Einige fürchten sich wohl vor der digitalen Welt, andere trauen sich nicht zu, die Technik zu erlernen. Also zu alt für das Internet? Nein. Ich beobachte, dass ältere Menschen das Internet sehr schätzen, wenn sie erst einmal ihre Hemmungen überwunden haben. Wenn die Angst vor der neuen Technik weg ist, sind die meisten begeistert davon. Kochrezepte, Haushaltstipps, Gesundheitsfragen, Reiseberichte und Produktvergleiche sind plötzlich ganz nah. Über die eigenen persönlichen Interessen und über ihre Hobbys erschließen sich die meisten den Nutzen des Internet am schnellsten. Hier finden ältere Menschen außerdem immer mehr Webseiten, die sich mit ihren Belangen und Bedürfnissen beschäftigen. Adressen wie www.senioren-ratgeber.de und www.feierabend.de sind nur zwei von unzähligen Beispielen. Außerdem werden viele spezielle Themen abgedeckt: Manche Seiten beschäftigen sich mit dem Leben als Großeltern (www.grosseltern.de) oder zeigen extravagante Mode älterer Frauen (www.advancedstyle.blogspot.de).

Auch vom Einkaufen im Netz können ältere Menschen profitieren. Wer seine Besorgungen nicht mehr selbst machen will oder kann, bestellt über das Internet und lässt sich einfach beliefern. Die Beispiele bis hin zum Supermarkt und zur Apotheke sind hinreichend bekannt. Und selbst den Weihnachtsbaum kann man heute online bestellen und sich nach Hause liefern lassen.

Trotz solcher Vorzüge haben viele ältere Menschen oft immer noch Angst vor der digitalen Welt. Manche glauben, dass sie mit nur einem Klick etwas kaputtmachen oder sich gleich einen Virus einfangen. Umso wichtiger ist es, sie dabei zu unterstützen, sich Basiswissen über neue Techniken anzueignen. Wie funktioniert der Browser? Wie nutzt man Google? Örtliche Verbände oder Volkshochschulen bieten dafür Computer- und Internetkurse. Dort finden sich meist auch Interessengruppen, in denen Ältere von Älteren lernen können. Das geht oft besser, als wenn etwa junge Menschen in ihrer Sprache ihren Großeltern die neueste Technik erklären wollen. Denn ältere Menschen ticken ähnlich und verstehen Probleme, die man mit der Technik haben kann, oft besser.