Persönliche Briefe, Visitenkarten, Schallplatten und Sofortbildkameras erleben derzeit eine Renaissance. In Grossbritannien werden erstmals wieder mehr Umsätze mit Platten als mit Downloads erzielt. In Deutschland hat ein Laden mit über 10’000 Schallplatten eröffnet. In der Schweiz verkauft ein Geschäft persönliche Briefschaften und Visitenkarten.

Polaroidkameras sind wieder angesagt. Vor allem Teenager und junge Erwachsene, die Analogfotografie gar nicht mehr kennengelernt haben, greifen vermehrt zum Polaroidsystem. Nur das Aussehen hat sich verändert: Der Instant-Fotoapparat ist nicht mehr gross, schwarz und sperrig, sondern farbenfroh und handlich. Koffein-Liebhaber wiederum zelebrieren heute statt teurer Kapseln das Trinken von Filterkaffee. Die Maschine für den Filterkaffee steht in einer modernen High-Tech-Küche. Bei Modeschauen sieht man plötzlich wieder Elemente aus den vergangenen Jahrzehnten, derzeit besonders en vogue sind Glockenärmel aus den 70er-Jahren. Es gibt noch viele weitere Beispiele.

Was steckt hinter der neuen Lust am Alten? Wissenschaftler erklären dieses Phänomen unter anderem mit einem Fluchtreflex vor zu viel Neuem. Wir fühlen uns überfordert und sind oft nicht in der Lage, all das Neue, das in grosser Geschwindigkeit und in Überfülle auf uns zukommt, zu verarbeiten. Andere wiederum kaufen gerne Dinge, die sie an die eigne Kindheit erinnern. Damit flüchten sie nicht wirklich, sondern holen sich die Erinnerungen zurück. Man spricht deshalb auch von einem Retro-Trend. Auch das haptische Erlebnis ist ein Grund.

«Früher war klar, dass ein Bild angreifbar war, heute nicht mehr. Das Erscheinen eines Fotos ist selbstverständlich, nicht aber, es anzugreifen, in der Runde herumzureichen und es sogar mitzunehmen. Das macht die Faszination der Polaroidkamera aus. Ein solches Bild ist etwas Persönliches.» (Österreichische Tageszeitung «Kurier», 13.09.2017.)

Unser Gehirn hat auch die Tendenz, Vergangenes zu verklären, somit erinnern wir uns immer mehr an die guten alten Zeiten. Das ist auch eine Reaktion auf die komplexen Herausforderungen unserer Zeit, denn Altbekanntes kann Sicherheit und Orientierung vermitteln. Die rasante Entwicklung der digitalen Welt sehen Experten als Hauptgrund für die aktuelle Retro-Welle.

Was bedeutet das nun für den Verkauf? Immer mehr Kunden wollen nicht mit einem virtuellen Verkäufer kommunizieren. Zum Internetverkauf gibt es einen Gegentrend: Lust auf Gespräche mit Menschen, und das in einer Wohlfühlatmosphäre. Dies gilt insbesondere für Käufe, die uns emotional und finanziell besonders wichtig sind. Der amerikanische Zukunftsforscher John Naisbitt erkannte schon vor einigen Jahren: Je mehr High Tech auf uns zukommt, umso mehr haben wir wieder Verlangen nach High Touch.

Wir freuen uns über ein Lächeln, einen Gruss, ein paar freundliche Worte, ein Dankeschön, Hilfsbereitschaft, persönliche Gesten und Aufmerksamkeiten. Wir gehen gerne zu einem Verkäufer, der uns beachtet, wertschätzt und uns sympathisch ist. Diese Erfahrung kann nicht digital hergestellt werden. Der einzige Faktor, der diesen Mehrwert schaffen kann, ist der Mensch. Der Blick in das Gesicht und die Augen unseres Gesprächspartners erzeugt Sympathie und ein gutes Bauchgefühl und wird somit wieder zu einem wichtigen Entscheidungskriterium im Verkauf.

Verbinden Sie die digitale Welt mit persönlichem und kreativem Beziehungsmanagement. Interessieren Sie sich wieder für die Person des Kunden und informieren Sie sich über seine persönlichen Vorlieben und Interessen. Überraschen Sie Ihre Kunden mit kleinen Gesten und mit Aufmerksamkeit. Nutzen Sie den neuen Retro-Trend und setzen Sie alte Werte und Tugenden wieder mehr und bewusster im Service, im Verkaufsgespräch und in der Kundenbetreuung ein.