Unsere Kommunikation hat sich dramatisch verändert. Wir schreiben „mal eben ’ne Mail“ oder tauschen virtuelle Nachrichten über einen der vielen Messenger aus. Das Internet ist ja quasi in der Hosentasche dabei. Schnell noch mal bei Facebook und Twitter checken, was es Neues gibt, und anderen mitteilen, was man gerade macht. Egal ob unterwegs in der Bahn, beim Arbeiten im Büro oder auch im zwischenmenschlichen Gespräch. Wir sind daueronline im Überangebot der Kommunikationsmittel des digitalen Zeitalters.

Der Wandel ist vollzogen und wir sind in der Lage, immer und überall zu kommunizieren. Die totale Vernetzung miteinander ist ein Gewinn. Noch nie zu vor war es so einfach möglich, schnell Informationen auszutauschen. Doch eine andere Fähigkeit verkümmert dabei immer mehr – die direkte Face-to-Face-Kommunikation.

Digitale Kommunikation

An den sozialen Medien kommt heute keiner mehr vorbei. Echte menschliche Begegnungen werden durch virtuelle Kontakte ersetzt und die verschiedenen Netzwerke bieten eine perfekte Bühne zur Selbstdarstellung, um sich bestmöglich in Szene zu setzen und zu verkaufen. Auf Facebook kann selbst ein Langweiler interessant werden.

Auch das Marketing reduziert die Kommunikation oftmals nahezu ausschließlich auf das Senden. Es sollen Meinungen erzeugt, Stimmungen beeinflusst und Bilder geprägt werden. Wir wollen senden. Aufgrund der Masse der Informationen werden Nachrichten vereinfacht, auf das Minimum reduziert, emotionalisiert und polarisierend kommuniziert. Wir wollen ja auch gehört werden. Die Botschaft muss in möglichst kurzer Zeit verstanden und konsumiert werden können. Dass es dadurch zu Missverständnissen kommt, nehmen wir gerne in Kauf. Schließlich wollen wir auffallen.

Jeden Tag erreicht uns eine Masse an digitaler Post. Wer nimmt sich noch die Zeit, auf alle Mails zu antworten, die eine Antwort verdient hätten? Wer liest nochmal über das Geschriebene, bevor der Klick auf „Senden“ erfolgt? In manchen Unternehmen werden die Mitarbeiter darin geschult, große Teile der Mails zu ignorieren, um die digitale Flut zu beherrschen. Wir tippen immer mehr und schneller. Fehler schleichen sich ein und unsere Sprachfähigkeit verkümmert. Unsere Kommunikation wird einseitig, oberflächlich, unpersönlich und manchmal sogar verletzend.

Wenn wir online kommunizieren, müssen wir uns nicht mit unserem Gegenüber beschäftigen. Wir sind geschützt. Wir können zu viel Nähe vermeiden und nur so viel preisgeben, wie wir möchten. Eine lebendige Beziehung ist wesentlich komplizierter. Schließlich müssten wir uns auf den anderen einlassen. Wenn uns die Meinung eines virtuellen Kontakts nicht passt, bleibt immerhin noch die einfache Möglichkeit, sich auszuloggen. In echten Gesprächen Face-to-Face gibt es keinen Fluchtweg. Nicht selten klammern sich daher viele Verkäufer an ein festes Skript oder ihre Präsentation, anstatt situationsbedingt darauf einzugehen, was dem Kunden wichtig ist. Wieder wird nur gesendet.

Persönliche Kommunikation

Was fehlt ist echte Nähe. Dazu gehört die Fähigkeit, zuhören zu können, offen zu sein für das, was der andere sagt, und dies zu reflektieren. Doch diese Fähigkeit des „Empfangens“ verkümmert immer mehr durch den auf Effizienz getrimmten Dialog der digitalen Welt.

Persönliche Kommunikation ist jedoch extrem wichtig. Je seltener wir diese erfahren, umso schwieriger ist es für uns, in den Gesprächssituationen zu bestehen, in denen es darauf ankommt, die Signale der Körpersprache und Mikromimik deuten zu können, um die Gedanken, Motive und Emotionen des Gegenübers zu erkennen und zu verstehen. Wenn wir diese Fähigkeiten der Empathie in der alltäglichen Kommunikation nicht nutzen, wird die Herausforderung größer, wenn es darum geht, den Kunden im Verkaufsgespräch zu überzeugen oder im entscheidenden Moment die Verhandlung zum Abschluss zu führen.

Computer ziehen keine Aufträge an Land. Es sind wir Menschen, die auf Basis ihrer Emotionen Entscheidungen treffen, auch wenn wir meinen, unserem Verstand zu folgen. Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht. Daher sind die Verbindungen zwischen ihnen entscheidend für den Erfolg im Business.

Das beste Investment sind keine Technik-Startups, sondern Beziehungen. Es ist die Zeit, die wir aufbringen, um andere Menschen besser kennenzulernen und dabei zu erkennen, was sie antreibt und wo ihre größten Herausforderungen liegen. Die Welt ist hektisch und schnelllebig, der Tunnelblick auf Zahlen und Gewinne ausgerichtet. Doch nur wer weiß, wie Kunden ticken und diese versteht, wird Erfolg bei ihnen haben. Denn niemand macht gerne Geschäfte mit Leuten, zu denen er keinen Draht hat.

Aufgrund des digitalen Wandels stehen uns vermutlich die meisten Kommunikationsmöglichkeiten in der Geschichte der Menschheit zur Verfügung und erleichtern unsere Arbeit in vielerlei Hinsicht. Jedoch zählt am Ende des Tages nur eins: unsere Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen, sie zu verstehen und Sympathien zu gewinnen.