Mögest du in interessanten Zeiten leben”, sagen die Chinesen – ob das Glück oder Fluch bedeutet, können wir heute oft schwer entscheiden. Vielleicht auch deshalb, weil wir uns zu selten Zeit nehmen, konsequent nach vorne zu schauen.

Zukunftsthemen erleben eine Renaissance und die Bandbreite relevanter Zukunftsfragen ist groß. Denn es ist eine unübersichtliche Zeit, in der wir leben, ein Zeitalter tiefgreifender Veränderung. Selten war der Übergang zwischen dem „Nicht mehr“ und dem „Noch nicht“ so deutlich spürbar wie jetzt. Die großen globalen Herausforderungen wie Flüchtlingsströme, Bevölkerungswachstum, gesellschaftliche Entwicklungen, Urbanisierung, ökologische Veränderungen etc. konfrontieren uns auch „im Kleinen“ mit vielen neuen Fragen. Gleichzeitig funktionieren viele Konzepte, die wir in den vergangenen Jahrzehnten praktiziert haben, nicht mehr und verlieren an Gültigkeit.

Wie aber initiiert und betreibt man ein „Zukunftsmanagement“?

Es braucht andere und bessere Lösungen als die, die wir heute diskutieren und mit erheblichem Beharrungsvermögen praktizieren. Weil die Verwerfungen auf nahezu allen Dimensionen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu beobachten sind – ob auf politischer, sozialer oder wirtschaftlicher Ebene –, kommt es auf Vorbilder an! Für mich müssen dies Unternehmer und Führungskräfte sein, die ihren Betrieb zu einem „Unternehmen neuen Typs“ entwickeln. Firmen, die nicht nur die Wertschöpfung für das eigene Unternehmen, sondern auch den Wertbeitrag für die Gesellschaft im Blick haben. Die in punkto der übergreifenden Herausforderungen unserer Zeit mitdenken und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Lösungsansätze anbieten.

Für diesen Wandel braucht es „Zukunftsmanagement“, der Verzahnung von Zukunft und Strategie. Auf der strategischen Ebene geht es dabei um die Vision. Auf der taktischen Ebene um die konkreten Ziele und die dafür wichtigen Roadmaps. Auf der operativen Ebene um die konkrete Planung und deren Umsetzung.

Um zu wissen, wie Firmen aktuell „ticken“, habe ich mit meinem Team im Sommer 2014 eine Masterthesis an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen-Geislingen unterstützt. Es ging um die Akzeptanz und die Ziele – aber auch um die Hürden für „Zukunftsmanagement“ in mittelständischen Unternehmen. Basierend auf einer Umfrage unter Geschäftsführern wurden dabei interessante Zahlen erhoben. Zum Beispiel:

77% der Befragten betonten die hohe Bedeutung von Zukunftsmanagement, doch in 85% der Firmen gibt es dieses Zukunftsmanagement nicht!

Die Gründe dafür seien „mangelnde Zeit“ und „kein Geld“. Welch eine Vergeudung von Chancen!

„Zukunftsmanagement“ schafft Wandel und Perspektive!

Welches sind die Kräfte, die verändern, die Neues fordern? Es sind die Menschen, die die Wirtschaft und damit unseren Lebensraum gestalten. Die Unternehmen, die erfolgreich sind, haben erkannt, dass sie die Trends der Zeit sensibel aufnehmen müssen. Diese Firmen schauen auf Bedürfnisse, suchen aktiv nach „Strömungen“ und deren Auswirkungen auf Märkte und Unternehmen. Sie antizipieren, interpretieren dies – um es für die eigene Strategie vorteilhaft einsetzen zu können.

Dabei muss man sich in den Firmen mit zwei existenziellen Fragen beschäftigen:

  1. Wie zukunftsfähig ist das Geschäftsmodell des Unternehmens?
  2. Wie ist das Unternehmen vorbereitet, um mögliche Bedrohungen abzuwehren und die Gelegenheiten der Zukunft wahrzunehmen?

Wer tragfähige Antworten will, wird erkennen, dass sowohl Mitarbeiter wie auch Kunden vermehrt „das große Ganze“ verstehen wollen.

Immer geht es dabei auch um die Kultur des Unternehmens. Dabei wird man auf „Werte“ und Wertvorstellungen stoßen. Und diese „Werte-Inventur“ ist spannend. Denn sie regt zum Nachdenken an: Welche Werte hat das Unternehmen und woher stammen sie? Sind die Werte klar – und wer kennt sie tatsächlich? Werden sie von allen gelebt oder sind sie nur Worte auf einem Stück Papier, das irgendwo an der Wand hängt? Bietet diese Kultur Raum für Neugierde, Kreativität und Mut? Wohlwissend, dass wer nicht innoviert, früher oder später marginalisiert wird. Dabei schützt auch Größe nicht vor dem Scheitern, wie viele Beispiele zeigen. Gibt es ergänzend dazu aber auch eine bewusste „Fehlerkultur“?

Zeit für ein Umdenken!

Machen Sie sich bewusst, Veränderungen verlangen von allen Mitarbeitern aktives Mitmachen. Mögliche Verhaltensänderungen u.v.m. kosten aber einfach mehr Energie als bliebe alles beim Alten. Niemand gibt gerne Routinen auf, die sich scheinbar bewährt haben.

Drei Dimensionen sind dazu in jedem „Zukunftsmanagement-Konzept“ zu verbinden: die Strategie „Was soll entstehen?“, der Inhalt „Was wird geändert?“ und der Ablauf „Wie wird geändert?“. Die Gründe und das Gesamtbild für den Wandel sind nachvollziehbar zu machen. Verlässlichkeit und Verbindlichkeit in allen drei Dimensionen – durch eine Führung nach klaren Grundsätzen – ist wesentlich.

Es ist Zeit, die Welt neu zu denken. Es ist Zeit, Erfolg neu zu definieren.