Der in der Selbstbedienungsabteilung eines Möbelhauses verschollene Thomas B., Familienvater in Tom Hank’schen Cast Away-Verschnitt, ist nach vier Jahren des Überlebenskampfes endlich wieder aufgetaucht. Seine Frau kauft die Möbel der Familie mittlerweile sorgenfrei online. Der Internetanbieter war ihre Rettung. Das Leben musste ja schließlich weiter gehen.

Eine großartige Werbung, die vorwiegend auf Männersendern im TV läuft und in geradezu zügellos hyperbolischer Art und Weise den derzeitigen Stand des Handels persifliert.

Hervorragende Markttransparenz, keine Bindung an Öffnungszeiten und viele verschiedene Möglichkeiten bei der Zahlungsart. So leicht wie im Internet war Einkaufen noch nie! Aber was des einen Freud’, ist des anderen Leid.

Denn – bei allen über das Glaubwürdige hinaus gehenden Übertreibungen – der klassische Handel steckt in der Krise. Eine Tatsache, die, ruft man sich die Nachrichten der Insolvenzanmeldung bei Unternehmen wie Neckermann oder Karstadt ins Gedächtnis, wenig überraschend ist. Während der Online-Handel floriert und mit quasi all seinen Vorteilen gegenüber der altbewährten Variante besticht, erlebt diese die größte Strukturkrise seit dem Ende des 2.Weltkriegs.

Die Stärken des Online-Handels liegen auf der Hand. Wir folgen dabei dem Leitsatz der Effektivität: Umso einfacher, umso zeitsparender, umso effektiver! Online sind wir auf keine Öffnungszeiten angewiesen. Insofern sind unsere Einkäufe leicht von zu Hause aus zu tätigen. In einer ähnlichen Werbung sitzt ein Mann lachend auf seinem Sofa und freut sich darüber, dass ihm das Internet seine Einkäufe sogar zusammenstellt. Er soll damit den modernen Mann verkörpern, der sich seine Kleidung nun nicht mehr von seiner Frau, sondern von diversen Internetseiten koordinieren lässt. Aber ist der zeitgemäße Mann tatsächlich so?

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!“ Josef Neckermanns Leitsatz ist prägend für eine Branche, die sich neu positionieren muss, um der Konkurrenz der jungen Online Anbieter weiterhin gewachsen zu sein. Dass gerade der von ihm gegründete Versandhandel „nicht mit der Zeit ging“ bzw. „mit der Zeit gegangen ist“ sei nur als bittere Ironie am Rande vermerkt.

iBeacon erleichtert das Einkaufen

Chancen sind zahlreich vorhanden. Man muss sie nur frühzeitig erkennen und deren Nutzen verstehen. Eine dieser Möglichkeiten ist die iBeacon-Technologie, welche den klassischen Handel nicht nur verändern, sondern sogar revolutionieren wird. Warum das? Beacons heben die Grenze zwischen digitaler und realer Welt auf und vereinen damit die Vorteile sowohl des Online- als auch des Offline-Handels.

Beacons sind kleine Minisender, welche über Bluetooth LE (Low Energy) mit Smartphones kommunizieren. Beacons, die ins Deutsche übersetzt als „Leuchtfeuer“ zu bezeichnen sind, ermöglichen spielend einfache Innenraumnavigation, z.Bsp. in Kaufhäusern und Fachgeschäften. Das wird nicht nur die Zahl der umherirrenden Kaufhausgäste verringern, sondern diese auch noch gezielt zu deren gewünschten Produkten lotsen. Die Zeiten, in denen überforderte Ehemänner zwischen den Regalen der Selbstbedienungsabteilung verloren gehen, scheinen vorüber.

Sie senden bis zu 200 Meter weit und sind damit deutlich effektiver als Near Field Communication (NFC). Bald schon werden sie ein regelmäßiger Begleiter unseres Alltags sein. Übervorsichtige Mitmenschen mögen nun aufschrecken und das Thema Datenschutz mit erhobenem Zeigefinger postulieren. Den voreiligen Beschwerden kann man aber zweifelsohne den Wind aus den Segeln nehmen. Beacons speichern lediglich Bewegungsprofile. Nur wer das dazu geeignete Programm auf seinem Smartphone installiert hat, nimmt wahr, dass es sie eigentlich gibt. Und alle anderen erfreuen sich an den zahlreichen Anwendungsfeldern. Ein Königreich für das Marketing.

Spielen wir das Szenario einfach mal durch: Ich betrete das Kaufhaus und scanne im Eingangsbereich einen QR-Code, mit welchem sich ganz leicht die Kaufhaus-App installieren lässt. Diese kommuniziert nun per Bluetooth LE mit den im Gebäude angebrachten Beacons. Ich tippe in der Suche mein gewünschtes Produkt ein und lasse mich von meinem Handy dorthin leiten. Innerhalb weniger Minuten stehe ich vor genau dem Regal, in dem sich meine Socken befinden. Mit einem Blick auf die kolossale Schlange an der Kasse entscheide ich mich per Paypal via Smartphone zu zahlen. Mit einem genussvollen Lächeln ziehe ich nur einen Moment später an vom Warten genervt wirkenden Kunden in der Schlange vorbei. Am Ladenausgang löst sich schließlich die elektronische Diebstahlsicherung an den Socken. Ich habe ja schließlich bereits gezahlt. Ich verlasse das Geschäft, tippe mein nächstes Produkt in die App und führe meinen Einkauf auf genau diese Weise fort. Binnen kürzester Zeit kann ich das Kaufhaus wieder verlassen und freue mich über die eingesparte Zeit.

Dieser Handshake zwischen digitaler und realer Welt verbindet auf komfortable Weise beide Einkaufsmöglichkeiten. Er bietet dem Kunden die Gelegenheit, problemlos zu dessen gewünschter Ware zu finden. Zudem kommt er in Kontrast zum Offline Handel sofort in direkten Kontakt mit dem Konsumgut und profitiert dabei noch von individueller, persönlicher Beratung. Denn der/die oftmals gestresst wirkende Verkäufer/in ist durch das vorteilhafte Zahlungssystem seltener an der Kasse gebunden und kann so deutlich effektiver auf den Kunden eingehen. Darüber hinaus kann die Ware sofort mit nach Hause genommen werden.

Verständlich, dass vermutlich bald der Online-Handel stöhnen wird. Denn die Beacon-Technologie nimmt dem Online-Handel quasi sämtliche Vorteile. Wenn der Handel die entsprechenden Apps schafft, stehen sie demnächst beim Herrenausstatter und das Handy „Folgende Hemden passen zu Dir…“; führt Dich direkt ans Regal. Das Hemd ist toll, aber die Wunschfarbe nicht im Regal? Ein Klick auf die App oder sogar die nette Verkäuferin nebenan zeigt: „Kein Problem. Morgen früh haben sie das Hemd in ihrer Wunschfarbe. Soll es zu ihnen nach Hause gebracht werden oder ins Büro?“

Noch 2015 wird in mehreren Handelsketten und Einkaufszentren diese Technik zum Einsatz kommen. Für Kommunikationstrainer und Verkaufsexperten steht eine Menge Arbeit an.