Was Führungskräfte von Leistungssportlern lernen können

Jeder kennt zumindest eine Person im Verwandten-/Bekanntenkreis oder hat „von diesem einen Kollegen“ gehört, der vermeintlich gesund war und dann urplötzlich einen Zusammenbruch hatte. Ein Beispiel hierfür ist der Auftritt vom BMW Chef Harald Krüger auf der IAA 2015. Während einer seiner wichtigsten Präsentationen des Jahres erlitt der damals 49-jährige vor laufenden Kameras einen Schwächeanfall und kippte um. Nach kurzer ärztlicher Behandlung wurde sein Zustand als stabil und „nicht besorgniserregend“ kommuniziert. Leider wird der Körper, für mich die Basis für persönlichen Lebenserfolg, sehr oft hinten angestellt. Ein bisschen Bluthochdruck, zu hoher Cholesterinspiegel, etc., es geht doch immer noch … bis der Zusammenbruch kommt mit dem totalen Verlust an Lebensqualität. Gesundheitsgerechte Führung fängt immer erstmal bei mir selbst an!

Welche Möglichkeiten habe ich als Führungskraft bei den höheren Anforderungen des digitalen Zeitalters – wie z.B. der Informationsflut, der fehlenden Planungssicherheit, den disruptiven Märkten, ständigem Vollgas und einer Auslastung von gefühlten 120% – im Alltag zu entspannen und Kraft zu tanken? Die Lösungen zeigen uns die Leistungssportler wie z.B. die Biathleten. Diese „kommunizieren“ mit ihrem Herzen, d.h. sie beeinflussen mit Hilfe der Atmung das autonome Nervensystem (ANS). Sie kommen mit einem extrem hohen Puls in das Biathlonstadion zum Schießstand eingefahren. Im besten Fall verlassen sie es mit 5 Treffern wieder, um sich auf die nächste Runde zu begeben. Doch wie schaffen Sie das? Beobachtet man den Athleten schon beim Einfahren in das Stadion und kurz vor jedem Schuss, so kann man sehen wie sie sehr tiefe gleichmäßige Atemzüge nehmen. Unser Herz kann indirekt über die Atmung beeinflusst werden. Man spricht hierbei von Kohärenz Training. Herz und Gehirn wieder in ein Gleichgewicht bringen. „Hör auf das, was Dein Herz Dir sagt“ heißt es immer wieder im Volksmund und dass das nicht nur esoterisches Gequatsche ist, wird in einer Vielzahl von Studien belegt.

Herzratenvariabilität – als Gradmesser für die innere Gesundheit!

Mit der Biofeedback Stresspilotmessung können wir „Stress sichtbar machen“. Hierzu bekommen unsere Seminarteilnehmer einen Ohrclip, um den Puls zu messen. Anschließend beginnt die Stresspilotmessung am PC. Die Ergebnisse zeigen häufig Erschreckendes auf – die Probanden fühlen sich vermeintlich gesund und sehen sich meist auch selbst so, doch die Ergebnisse spiegeln oft einen anderen Zustand wider. Bei der Messung mit dem Stresspilot wird die Herzratenvariabilität (HRV) bestimmt. Die HRV ist eine über Pulsmessung leicht zu bestimmende physiologische Größe. Dabei kann eine hohe Aussagekraft über den aktuellen Zustand des ANS, bestehend aus Sympathikus und Parasympathikus getroffen werden. Diese zwei funktionellen Komponenten steuern die körpereigenen Entspannungsmechanismen (Parasympathikus) und die Aktivierungsmechanismen (Sympathikus).

Die lebenswichtigen Grundfunktionen des Menschen werden über dieses ANS gesteuert und sind dadurch weitgehend unabhängig von Bewusstsein und Willen. Das ANS passt sich auf veränderte Parameter im Innen- und Außenbereich an und gibt Aufschluss über den Zustand der inneren Balance sowie der Herzgesundheit. Das ANS ist eingeschränkt bei Herzerkrankungen, Depressionen, ungesundem Lebensstil und Stress. Vor allem letzterer Faktor spielt heutzutage eine wichtige Rolle. Eine akute Stresssituation bringt eine Veränderung der inneren und äußeren Umgebung mit sich, diese führt wiederum zu einem Alarmzustand und bereitet den Organismus auf eine mehrere Jahrtausende alte Reaktion vor – Flucht oder Kampf. Bei Stress bringt das ANS alle wichtigen Körperfunktionen in Gang. All diese veränderten Parameter normalisieren sich wieder, wenn der Mensch eine Kampf- oder Fluchthandlung ausgeführt hat. Problematische Auswirkungen können diese Abläufe haben, wenn auf sie keine körperliche Betätigung folgt, wie dies heutzutage meistens der Fall ist. Die Stressparameter normalisieren sich dann nicht. Eine Vielzahl dieser Parameter finden wir in der Medizin als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf, Stoffwechsel und andere chronische Erkrankungen wieder. Anders als bei Computern ist mit einem Softwareupdate beim Menschen nicht zu rechnen. Im digitalen Zeitalter bleibt der Mensch ein analoges Wesen! Daher kommt dem einüben der Balance des ANS eine entscheidende Bedeutung zu.

Aus diesem Grunde möchte ich Ihnen jetzt noch eine Herz-Kohärenz-Übung mitgeben, so dass Sie sofort mit dem Training beginnen können. Sie lernen hierbei, wie sie als Top Performer – analog zum Spitzensportler – die Atmung einsetzen können, um einen entspannten Zustand zu erreichen. Nach einer gewissen Übungsphase werden Sie in der Lage sein, den erlernten Mechanismus in allen Lebenslagen abzurufen und von vornherein mit einem geringeren Stresslevel im Körper zu agieren. Unsere Teilnehmer berichten nach regelmäßiger Anwendung der Übung, dass sie besser durchschlafen können, sich weniger angespannt und ausgelaugt fühlen, gedanklich leistungsfähiger sind und sich trotz negativem Stress besser konzentrieren können.

Ich spreche hierbei in der „DU“ Form, da das Unterbewusstsein dadurch besser angesprochen wird. Zum Üben des HRV-Trainings suchst Du Dir einen ruhigen Ort und nimmst eine bequeme Haltung ein.

Schließe die Augen und atme erstmal langsam und tief ein und aus. Atme länger aus als Du eingeatmet hast und warte dann etwa drei Sekunden, bevor Du wieder einatmest. Nun stell Dir vor wie Du direkt durch Dein Herz atmest. Stelle Dir vor wie der Sauerstoff, den Du einatmest, durch Dein Herz in Deinen Körper strömt und jede Zelle versorgt.

Beim Ausatmen stellst Du Dir vor, wie alles Negative mit heraus gespült wird. Stell Dir im Geiste vor, wie Dein Herz anfängt zu leuchten und Deinen ganzen Körper damit erfüllt. Wenn Du die Übung bis hier hin schon gut meistern kannst und die Effekte spürbar werden, kannst Du noch einen Schritt weitergehen und eine schöne Erinnerung in Dein Gedächtnis rufen.

Tauch in diese Erinnerung ein und erlebe die Gefühle von damals wieder. Dabei kann es sich um Liebe, Glück, Euphorie oder etwas anderes Positives handeln. Nach ca. 10-15 Minuten kannst Du die Übung beenden und nochmal einige Male tief ein- und ausatmen und Deine Augen wieder öffnen.

Viel Freude und Durchhaltevermögen beim Üben zur Verbesserung Deiner Lebensqualität!