Verstehen. Verbinden. Vermarkten.
Mit künstlicher Intelligenz

Professor Stephen Hawking, der weltbekannte Physiker, äußerte sich Ende 2014 kritisch zur technischen Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI). Hawking: „Humans, who are limited by slow biological evolution, couldn’t compete and would be superseded“. Hawking ist an Amyotropher Lateralsklerose, einer degenerativen Schädigung des motorischen Nervensystems, erkrankt. 1985 verlor er die deshalb die Fähigkeit zu sprechen und ist für die verbale Kommunikation seitdem auf einen Sprachcomputer angewiesen. Er steuert diesen durch eine einzige Bewegung des Wangenmuskels. Seine Warnung kam als Antwort auf eine Frage nach der Weiterentwicklung seines Sprachcomputers. Hawking profitiert von einer rasanten Entwicklung auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, die es ihm ermöglicht, immer flüssiger und natürlicher mit seiner Umgebung zu kommunizieren, obwohl er praktisch komplett bewegungsunfähig ist. Kein Investor gibt jedoch Geld für die Entwicklung von Produkten für Behinderte – der Markt ist zu klein und zu wenig lukrativ. Die Technologie, die Hawking nutzt, wird in Callcentern und Sozialen Netzwerken eingesetzt. Aufgrund einer kontinuierlichen Analyse des in der Vergangenheit gesagten und geschriebenen, ist die KI in der Lage zu antizipieren, was Hawking sagen will – und dies immer besser! Neue Betriebssysteme für Smartphones machen beim Tippen kontinuierlich Vorschläge für die nächsten Wörter, so dass man diese nicht mehr schreiben, sondern nur noch auswählen muss. Dies ist für den Schreibenden bequemer und schneller.

Verstehen.

Die KI „versteht“ immer besser, was Hawking meint. Was das bewusste und manchmal sogar unbewusste (!) Konzept seines Kommunikationswunsches ist. Um dies zu ermöglichen, ist eine semantische, syntaktische und morphologische Analyse der Sprache notwendig und die anschließende, sprachunabhängige Speicherung des Konzeptes hinter einem gesprochenen oder gedachten Satz. Die semantische (die Bedeutung der Worte) und die morphologische (die Flexionen der Worte: Singular, Plural, Geschlecht, Fall etc.) Analyse sind schon lange möglich. Seit etwa 15 Jahren ist aber auch eine syntaktische Aufschlüsselung der Sprache (Strukturierung der Sätze: Aussage, Frage, Befehl, Parataxe, Hypotaxe) robust technisch umsetzbar – was übrigens lange von verschiedenen Linguisten als „prinzipiell unmöglich“ dargestellt wurde. Schließlich ermöglicht eine Stilanalyse auch festzustellen, in welcher Stimmung eine Person ist, die etwas sagt. Letztlich sind auch Aussagen zum Charakter einer Person ableitbar und deren Handlungstreiber (Prestige, Macht, Beziehung, Ordnung, Ruhe usw.).

Obwohl wir erst am Anfang der technischen Entwicklung stehen, ist also bereits heute absehbar, dass KI sehr wohl in der Lage ist, gründlich und systematisch zu verstehen, was eine Person antreibt und will.

Verbinden.

Bislang hat man sich auf das Verstehen konzentriert – auf die Analyse einzelner Wörter, Sätze und Dokumente. In diesen Tagen beginnt das „Verbinden“ enorme Dynamik zu gewinnen. Ein Stichwort, derzeit in aller Munde, ist „Big Data“. Durch die kontinuierliche Analyse in Echtzeit von enormen Datenströmen, welche unser Verhalten, Gesprochenes und Geschriebenes (bald auch Gedachtes?) ununterbrochen elektronisch aufzeichnen, ist es möglich, den Kontext einer Information immer genauer festzustellen und zu verstehen. Umgekehrt beginnt man jetzt, die Synthese von Information zu neuem Wissen künstlich zu erzeugen. Was bedeutet das? Wenn man heute eine Frage in eine Suchmaschine eingibt, so findet man direkte Antworten nur, wenn sie in einem einzelnen Dokument gespeichert sind. Es ist derzeit noch ein rein manueller (oder besser cerebraler) Akt, die Trefferliste durchzugehen, eventuell widersprüchliche Aussagen in den verschiedenen Dokumenten zu gewichten und Schlüsse aus der Menge der Informationen zu ziehen. Vielfach ist jedoch eine (vermeintlich) einfache Antwort auf eine Frage nicht möglich, weil sich die Antwort in verschiedenen, verteilten Informationen versteckt. Oder es müssen Gegenfragen gestellt werden, um die Fragestellung zu präzisieren. Oder es handelt sich gar nicht um eine echte Frage, sondern sie ist rhetorisch oder sie dient dem Aufbau und Vertiefung einer Beziehung („Small Talk“). In diesem Fall muss die KI in eine intelligente Interaktion treten, Gegenfragen „erfinden“, Informationen aus verschiedenen Quellen selbständig extrahieren und zusammenstellen. Selber testen kann man dies zum Beispiel bei Cleverbot. Die Software lernt von vergangenen Konversationen. Im formellen Turing-Test mit 1334 Probanden hielten 59.3% der Testpersonen Cleverbot für menschlich. Erstaunlich: menschliche Konkurrenten erzielten 63.3%! Wir halten fest: KI ist nicht nur fähig, verschiedene Datenquellen zu verbinden, sondern auch menschliche Nähe zu erzeugen – Menschen zu verbinden.

Vermarkten.

Es ist leicht sich vorzustellen und man kann es auch beobachten: KI erweitert die Fähigkeiten und ersetzt zunehmend repetitive und „wenig intelligente“ Tätigkeiten. Fahrzeuge aller Art benötigen keine Fahrer mehr, einfacher Kundendienst und Verkauf werden durch Selbstbedienung mit KI-Unterstützung ersetzt. Man kann sich leicht vorstellen, dass viele Berufe und Arbeiten in Zukunft für den Menschen verschwinden werden. Dabei ist der Service und das Ergebnis oft besser, schneller und umfassender als die durchschnittliche menschliche Bedienung und für den Kunden bequemer. Aus diesem Grund und aufgrund der technischen Entwicklung wird sich dies zwangsläufig weiter fortsetzen und es wird früher oder später auch ihr persönliches Geschäft betreffen und vielleicht dramatisch ändern. Es lohnt sich, darüber nachzudenken…