Über die Arbeitswelt von morgen wird viel geschrieben und prophezeit. Dabei wird vergessen, dass das Arbeiten sich genauso individuell entwickelt wie jedes Unternehmen und jede Branche. Transformation ist notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, und trotzdem ist der Weg zu New Work auch ein Risiko für Ihr Unternehmen, und zwar dann, wenn der Blick fürs Ganze verloren geht. Es stimmt natürlich, die Zukunft der Arbeitswelt verändert sich und damit auch die Mitarbeiterführung, die beruflichen Fähigkeiten, Prozesse und vieles mehr. Nichtsdestotrotz, wir sind überzeugt, jeder Chef muss sich fragen: Was bedeutet die neue Arbeitswelt für uns? Wie wollen wir in den nächsten Jahren zusammenarbeiten? Fangen wir vorne an:

Status quo

Fakt ist, die Frage nach New Work ist eine strategische Frage. Sie muss in Einklang mit vielen Themen im Unternehmen gebracht werden, etwa mit der notwendigen Unternehmensstrategie, die der Markt vorgibt, dem Geschäftsmodell der Zukunft (viele Geschäftsmodelle ändern sich radikal – Ihres auch?), der Positionierung im Markt, der Wettbewerbssituation, regionalen Gegebenheiten, der Organisation innerhalb des Unternehmens etc. Hinzu kommt die operative Ist-Situation: Wie ist die Umsatz-, Ertrags- Kosten- und konkrete Investitionssituation heute und in den nächsten drei Jahren? Wie ist die Unternehmenskultur, wie ist die Mitarbeitersituation heute? Was sagt die Altersstrukturanalyse? Welche Engpässe und Kittelbrennfaktoren gibt es zurzeit im Unternehmen und welche haben die Kunden heute und in den nächsten drei Jahren? Beginnen Sie mit einer Umsetzungsstrategie erst, wenn Sie eine glasklare Analyse des Status quo durchgeführt haben! Sparen Sie sich rein kosmetische Korrekturen. Diese reichen in keinem Fall aus und sind meist sogar kontraproduktiv.

Ticktack – Engpass Zeit

Eine aktuelle Umfrage unserer Agentur gibt Aufschluss über den aktuell grössten Engpass unserer Kunden: Zeit. Zeit für alle anstehenden Aufgaben und Projekte, Zeit für alle strategischen Aufgaben, Zeit für Auszeiten. Und jetzt die schlechte Nachricht: Die Transformation benötigt Zeit! Sie benötigen Zeit für die Umsetzung und müssen selbst ausreichende Zeitressourcen dafür investieren. Das mag an dieser Stelle banal klingen – ist es aber nicht! Die Transformationsarbeit parallel zum Tagesgeschäft und die regelmässige, notwendige strategische Arbeit ist in vielen Unternehmen nicht in der Weise zu leisten, die erforderlich ist. Schon das Tagesgeschäft und die täglichen Herausforderungen für die Erreichung der Unternehmensziele benötigen grosse Zeitbudgets.

Die Lösung?

Es gibt keine Standardlösungen. Es geht um das, was Arbeit prägt. Obwohl einer der Auslöser für New Work die digitale Transformation ist, stehen auch Einstellungen und Verhaltensweisen besonders im Zentrum. Digitale Eliten haben andere Vorstellungen von der Arbeit. Genau hier schwappt die Bewegung, begünstigt durch den demografischen Wandel und den damit verbundenen Fachkräftemangel, auch auf eher traditionelle Unternehmen über. Der Kampf um Mitarbeiter, der seit Jahren beschworene «War of Talents» ist da und damit auch die firmeninterne Dauer-Diskussion zur Frage «Wie können wir als Arbeitgeber attraktiver werden?», vor allem in Branchen, die wahrlich nicht mehr sexy sind: Bäcker, Fleischer, Transportgewerbe, Einzelhandel oder Handwerk. Jetzt vermischen sich Ursache und Lösungsansätze. Die grundsätzliche Erkenntnis und Schlussfolgerung: Wir müssen als Arbeitgeber attraktiver werden. Wir müssen unseren Bewerbern und unseren Mitarbeitern etwas bieten: Obst und freie Getränke, Massage am Arbeitsplatz, Fortbildungsmassnahmen, bessere Schreibtische, Zuschüsse zu Sportangeboten – das sind nur kosmetische Touchpoints, New Work bedeutet mehr. Durch flexible Arbeitszeitmodelle, offene Büroräume, gemeinsam gestaltete Lern- und Zielvorgaben und die erhöhte Mobilität bekommt der Mitarbeiter mehr Freiräume und gleichzeitig auch mehr Macht. Aber was genau bedeutet diese Entwicklung für Chefs, Führungskräfte und deren Führungsstil? Wie geht man mit den wachsenden Begehrlichkeiten und sogar Forderungen (z. B. nach mehr Gehalt) der Mitarbeiter um? Ach ja, und haben die Mitarbeiter überhaupt noch den Kunden im Blick? Wachsende Umsätze stehen schliesslich mit sinkenden Erträgen in Konfrontation, weil Mitarbeiterkosten, Rohstoffpreise und Energiekosten steigen.

Customer First

Wer ist noch bereit, für Spitzenleistungen und Exzellenz ohne Leistungsanreiz ans Limit zu gehen? Wer ist von sich aus bereit, für den Kunden die Extrameile zu gehen und ihn dadurch zu begeistern? Alles Tun, Entwickeln, Verändern, Transformieren muss sich zukünftig mehr denn je auf den Kunden ausrichten. Diese Kundenorientierung gilt genauso für die neue Gestaltung von Prozessen im Rahmen der Digitalisierung – diese richten sich nach den Bedürfnissen der Kunden, um einen echten Mehrwert gegenüber dem Wettbewerb zu bieten und ein Alleinstellungsmerkmal zu erreichen.

Intrinsische Motivation fördern

Fragen Sie bitte einmal den Mitarbeiter im Mitarbeitergespräch, was er ausserhalb des Jobs für die Erhaltung seiner Leistungsfähigkeit aus eigenem Interesse unternommen hat. Welche Zeitschriften oder welche Bücher wurden gelesen? Welche Veranstaltung oder Kurse (analog oder digital) wurden besucht? Oder wie oft wurde mit Kollegen zur Verbesserung der einen oder anderen Fähigkeit zusätzlich «geübt»? Ich prognostiziere: Sie werden oft enttäuscht sein.
Meine Empfehlung zu den Herausforderungen von New Work Erarbeiten Sie sich sehr klare Werte und eine klare Führungskultur, die Sie auch in schwierigen Situationen nicht aufweichen! Manche Themen drehen Sie nie mehr zurück. Gehen Sie Schritt für Schritt vor. Behalten Sie immer, zu jeder Zeit den Kunden im Blick – vor allem in (vermeintlich) guten Zeiten. Genau hier werden die grössten Fehler gemacht! Die Bedeutung von New Work wird in Zukunft immer stärker zunehmen, viele Unternehmen befinden sich bereits auf den Weg nach New Work – meist ist ihnen nur die grobe Richtung klar, und viele Hindernisse warten auf diesem Weg, die es zu überwinden gilt. Das betrifft vor allem das Thema Arbeitskultur und Wertegestaltung. Dennoch, fürchten Sie sich nicht, besinnen Sie sich auf die Erreichung der Unternehmensziele und denken Sie daran: Digitalisierung und Globalisierung hin oder her, Menschen machen den Unterschied! Nur beGEISTerte Mitarbeiter beGEISTern Kunden, beGEISTerte Kunden beGEISTern das Unternehmen!

7 Tipps für Ihre Transformation

  1. Analyse: Wo stehen wir wirklich? Und wo wollen wir hin (klare Ziele definieren)?
  2. Mehr – viel mehr – Kommunikation! Werden Sie ein echter Kommunikationsprofi. Suchen Sie sich dafür einen Profi-Coach.
  3. Verabschieden Sie sich von dem grossen Transformationsprojekt in Ihrem Unternehmen. Gehen Sie Schritt für Schritt vor – bleiben Sie nicht stehen!
  4. Prüfen Sie Vision, Mission und die Werte des Unternehmens: Sind diese aktuell, verständlich, sichtbar, spürbar? Falls ja, sind Sie auf dem richtigen Weg. Falls nein, dann arbeiten Sie daran.
  5. Beginnen Sie top-down: Starten Sie einen klaren Führungskräfte-Entwicklungsprozess, eine Beratung und ein Training aller Führungskräfte.
  6. Im Rahmen Ihrer Jahreszielplanung planen Sie sich zusätzlich vier Denktage zur Transformationsbegleitung im Jahr verbindlich ein.
  7. Bleiben Sie authentisch und charismatisch und denken Sie visionär!

„New Work“

New Work beschreibt den Wandel der Arbeitswelt, ausgelöst durch Globalisierung und Digitalisierung. Die daraus resultierenden Herausforderungen für die Arbeitswelt und insbesondere für Führungskräfte gilt es, individuell zu bestimmen und zu meistern. Es geht um gesellschaftliche Veränderungen, die den Rahmen für das gemeinsame Miteinander beeinflussen, und um neue Formen, sich als Unternehmen zu organisieren. Merkmale wie Veränderungsbereitschaft, Anpassungsfähigkeit, Agilität, Resilienz und Mobilität prägen diesen Begriff der «Neuen Arbeit».

«Man kann sich die Mühe sparen, Menschen in neuen Denkweisen zu unterrichten. Man sollte ihnen lieber Werkzeuge an die Hand geben, deren Benutzung selbst zu neuen Denkweisen führt.» (R. Buckminster Fuller)