In der Managementliteratur begegnen wir alle paar Jahre neuen Trends. Ursprünglich «Lean», war es gestern «Resilienz», und heute geht ohne «Agilität» nichts mehr. Wenn man die Begriffe hinterfragt, merkt man schnell, dass häufig alter Wein in neue Schläuche gefüllt wird. Einige Unternehmen versuchen heute sogar mit Lounge-Atmosphäre oder Tischkicker die Mitarbeiter bei Laune zu halten. Dass wir uns nicht falsch verstehen, dies ist sicherlich nicht schädlich. Wenn jemand jedoch beim nächsten Kontakt mit dem «Vorgesetzten» abwertend behandelt wird, dann stellt das Kickerspiel auch nicht die gewünschte Loyalität her.

Um Mitarbeiter langfristig zu einer hohen Wertschöpfung zu führen, benötigen wir Substanz. Diese orientiert sich direkt am Menschen und lässt sich in fünf wesentlichen Punkten zusammenfassen.

1. Mut! Was hat Erfolg mit mentaler Stärke zu tun?

«Wenn ich genau in mich hineinhöre, dann traue ich mich nicht, effizient zu sein.» Nachdem ich diese Formulierung das erste Mal gehört habe, hat sich mein Blick auf Erfolg nochmals wesentlich erweitert. Selbstverständlich hat Erfolg viel damit zu tun, wie ich organisiert bin, wie meine Abläufe strukturiert sind, ob ich in der Lage bin, Prioritäten zu setzen, usw.

Wenn wir uns jedoch die Komplexität vieler Aufgaben ansehen, haben Erfolg und Effizienz mittlerweile auch viel mit mentaler Stärke zu tun.

«Ich muss es mich trauen!» Soll also heissen: den Mut und die Bereitschaft zu haben, die vorhandene Komplexität nicht im vollen Umfang zu beherrschen, sondern stattdessen nach dieser Komplexität zu handeln, ohne alles zu kennen bzw. zu wissen. Den Mut zu haben, nicht immer eine perfekte Lösung zu kennen, sondern eben die im Moment «bestmögliche». Den Mut und das Vertrauen in sich selbst zu haben, kommende Herausforderungen zu meistern.

Durch diese Komplexität, die es heute zu bewältigen gilt, erfordert erfolgreiches Führen wieder eine alte Tugend, wenn auch in einem anderen Kontext. Es erfordert Mut!

2. Verbessertes Miteinander

Der zweite Punkt ist Respekt. Gelingt es, Respekt als Grundhaltung in ein gesamtes Team zu implementieren, entsteht völlig automatisch ein besserer Umgang miteinander. Dass Absprachen und Terminzusagen eingehalten werden, ist dann plötzlich eine Selbstverständlichkeit. Ich kenne Unternehmen, dort wäre allein diese Veränderung ein extremer Schritt zu mehr Produktivität. Das Hochinteressante an Respekt ist die automatische Nebenwirkung: Es lässt sich nicht verhindern, dass die Grundmotivation steigt.

3. Menschen wollen einen Beitrag leisten!

Deshalb ist Sinn die nächste Zutat für wirkliche Substanz. Sobald wir als Menschen bei einer Tätigkeit einen Sinn erkennen, wird automatisch Energie frei. Heisst im Umkehrschluss: sinn-los ist energie-los.

Der Grund dafür ist psychologisch erforscht: Wir Menschen fühlen uns glücklich und zufrieden, solange wir das Gefühl von Wachstum und Entwicklung haben oder zu Wachstum und Entwicklung beitragen können. Als Führungskraft gilt es also, dies herauszuarbeiten bzw. Orientierung zu geben. Sinn entsteht, sobald ich einen Beitrag leiste! Einen Beitrag zur Gesellschaft, zur Weiterentwicklung, zu einer besseren Welt, zur Verbesserung einer Situation, zum Erfolg usw. Es gibt also ein reichhaltiges Angebot an Kontexten, in die ich eine Aufgabe stellen kann. Die Frage ist lediglich, wie viel Mühe sich die Führungskraft gibt. Nebenwirkung: Motivation und Loyalität.

4. Fokus

Sobald Mut, Respekt und Sinn vorhanden sind, entsteht eine Basis voller Energie und Motivation. Jetzt geht es darum, dieser Energie den richtigen Erfolgsfokus zu geben. Und Erfolg bedeutet in Unternehmen nun einmal Ergebnis. Jeder im Unternehmen sollte das Wissen bzw. Gefühl in sich tragen, dass ein gutes Unternehmen einem vernünftigen Ergebnis verpflichtet ist. Aus diesem Grund sollte der Begriff «Ergebnis» stets in die tägliche Kommunikation einfliessen und der Einsatz von Ressourcen und Aktivitäten auch immer in den Zusammenhang der Ergebnisorientierung gebracht werden.

5. Das Meisterstück

Bereits die Faktoren Mut, Respekt, Sinn und Ergebnis reichen aus, damit ein gut Unternehmen gut funktioniert. Um langfristig zukunftsfit und profitabel zu bleiben, gibt es noch eine Steigerung – das Meisterstück: Ich denke, fast jeder, der sich in seinem Leben länger mit Erfolg auseinandergesetzt hat, kam am Ende zu einer wichtigen Erkenntnis: Ich muss «selbstverantwortlich» handeln! Deshalb ist der fünfte Schlüssel Verantwortung. Diese gilt es vorzuleben, zu fördern, einzufordern und zuzulassen. Gelingt dies, so ist sie der nachhaltige Erfolgsgarant. Denn wird Verantwortung auf allen Ebenen gelebt und für Mut, Respekt, Sinn und Ergebnis die Verantwortung übernommen, ist die Sache dauerhaft rund.