Podcasting erlebt einen zweiten Frühling. Bereits 2005 entdeckt, erfreut sich das Medium Podcast seit 2015 wieder einer rasant wachsenden Beliebtheit. Inzwischen nutzen ca. 13 Prozent der Deutschen Audio-Podcasts. Über 250.000 Podcast-Angebote verzeichnet allein iTunes als grösstes Podcast-Portal, ein grosser Teil davon in deutscher Sprache. Für fast jede Lebenslage oder jedes Interesse scheint ein Audioangebot vorhanden zu sein. Auch viele Trainer, Coaches und Berater bieten akustischen «Einblick» in ihr Fachwissen und nutzen damit die grossen Potenziale dieses Mediums.

Audio wirkt – im Kopf!

Der Klang der Stimme, die Modulation und ein unverfälschter Rezeptionskanal – das sind Signale, die direkt im Hirn ankommen. Das ist die Rezeptur für eine aussergewöhnliche und intensive Medienrezeption. Und sie erzeugt eine Intensität, die kein anderes Medium erreicht. Eine ungewöhnliche Intimität in Zeiten medialer Überflutung. Sie ist Grundlage für Authentizität, eine intensive Beziehung, und sie birgt ungeahnte Potenziale für eine Bindung zwischen Podcaster und Zuhörer bzw. Sender und Empfänger. Die eigene Stimme ist ein wertvolles Trägersignal der eigenen Botschaft, der eigenen Person und Persönlichkeit. Sie ist ein ideales Werkzeug für die glaubwürdige Vermittlung authentischer Leidenschaft und Profession.

Podcasting ist auch parasoziale Interaktion

Das Angebot an Podcast-Formaten ist so vielfältig wie die Nutzungsmotive von Podcast-Hörern: reines Informationsbedürfnis, Weiterbildung, kostenloses Wissen, Unterhaltung. Die «einfache» Ebene des Podcastings ist die akustische Zweitverwertung, indem man eigene Fachartikel oder Buchkapitel vorliest. Interessant wird es aber bei der «Kür». Denn der Kanal bietet neben der rein akustisch aufbereiteten Darbietung des eigenen Wissens noch viel mehr: die Möglichkeit der Interaktion mit dem Hörer und der Schaffung einer persönlichen Identifikationsebene zwischen Sender und Empfänger. Daraus entsteht der spannendste Effekt von Podcasting: die parasoziale Interaktion und Beziehung.

Bei vielen erfolgreichen Podcasts erkennt man Muster dieses Ansatzes. Durch persönliche Ansprache, authentische und narrative Elemente entwickelt sich zwischen Hörer und Podcaster eine scheinbare «Beziehung», welche über das Medium hinaus Bestand hat. Diese Bindung wird im Podcasting durch die Authentizität der Stimme, den Dialogcharakter und die vermeintlich persönliche Ansprache gefördert. Das Abonnement und das regelmässige Hören führen zu Identifikation und teilweise sogar zu engen Bindungen, wie sie aus Coaching-Konzepten bekannt sind. Und das, obwohl der Podcaster eigentlich keinen direkten Kontakt zu seinem Hörer hat.

Die reine Parasozialität dient damit als neues, intensives Bindeglied zwischen Hörer und Sender. Sie erzeugt Effekte, die sich normalerweise erst bei einer realen Begegnung zwischen Hörer und Podcaster richtig entfalten. Der Podcaster erscheint dem Hörer sehr bekannt, schon fast freundschaftlich und intim vertraut. Die parasoziale Interaktion und Bindung ist damit nicht nur Grundlage für eine neuartige Community-Qualität, welche die Massenmedien nur mit hohem Aufwand vermitteln können. Aufgrund ihrer Intimität ist sie ist auch ein ideales Pre-Sales-Instrument.

7 Tipps für einen erfolgreichen Podcast

  1. Stehen Sie zu Ihren Fehlern: Die wenigsten Talente sind auch «One-Take-Wonder». Nicht immer klappt alles beim ersten Mal. Bei groben Versprechern ist eine Wiederholung anzuraten. Doch wenn Ihnen einmal ein Dialektausdruck oder ein kleinerer Versprecher dazwischenrutscht, kapitalisieren Sie den Fehler, indem Sie ihn nicht löschen! Fehler sind persönlich und sympathisch.
  2. Senden Sie regelmässig: Podcasts sind Medien auf Abruf und werden noch lange nach Veröffentlichung genutzt. Ihre Stammhörer erwarten allerdings Frequenz und Termintreue. Diese Verlässlichkeit zahlt sich aus.
  3. Legen Sie Wert auf Qualität: Die «Signalstrecke» von Ihren Stimmbändern bis zum Ohr des Hörers ist heilig. Investieren Sie in eine gute Ausstattung und achten Sie auf die Akustik.
  4. Nehmen Sie den Dialog auf: Bereiten Sie sich auf die Interaktion mit Ihren Hörern vor. Beobachten Sie alle Plattformen, auf denen Ihr Podcast sichtbar ist, und geben Sie Feedback auf Lob, Anregungen und Kritik.
  5. Verzichten Sie auf reines Ablesen: Lesen Sie nicht nur Ihre Fachartikel oder Bücher vor. Extrahieren Sie aus Ihren Kapiteln Leitfragen und beantworten Sie diese Ihrem imaginären oder reellen Interviewer frei.
  6. Suchen Sie sich einen «Master»: Damit meine ich einen Ton-Meister für die Montage, die Nachbearbeitung der Aufnahmen. Hier sind wahre Wunder möglich durch Schnitt, Klangfarbe, Sound etc. Das garantiert Ihnen ein Top-Produkt und Ihren Hörern ein sauberes, angenehmes und sympathisches Hör-Erlebnis Ihrer Person.
  7. Bleiben Sie persönlich: Seien Sie nicht zu ehrgeizig! Ein grosser Fehler bei Podcastern ist es, zu sehr und zu schnell dem grossen Vorbild Radio nachzueifern. Sie sind kein Radio-Journalist, haben wahrscheinlich kein umfangreiches Stimmtraining und keine langjährige Sprecherziehung genossen. Bleiben Sie professionell, bieten Sie Ihre Profession narrativ dar, aber bleiben Sie sich treu.