Neue Technologien müssen wir zuerst verstehen. Erst dann können wir es mit einer sinnvollen Anwendung oder einem Prozess fürs Marketing verbinden. Letztlich bleibt noch die Nutzung für die Vermarktung zur Krönung dieser Innovation.

Dieser Artikel wird bestimmt bei vielen Leser/innen einen Abwehrreflex auslösen. Viele gehen an neue Technologien verkrampft heran und lehnen diese oftmals pauschal als unnötig ab. Steve Jobs hat das iPad trotzdem herausgebracht. Die Fachwelt hatte sich damals gefragt, ob es für ein „übergroßes“ iPhone überhaupt einen Markt gibt. Können Sie sich ein Leben ohne Tablet-Rechner noch vorstellen? Nur dann, wenn Sie selber noch keines intensiv genutzt haben. Für diesen Artikel möchte ich mich nur auf die zwei Technologietrends Augmented Reality und Virtual Reality fokussieren.

Verstehen und verbinden – Augmented Reality (AR)

Dank Augmented Reality (AR) erweitern wir unsere tatsächliche Realität um eine virtuelle Realität. Bisher funktionierte das mit einer App und der Kamera des Smartphones oder der Webcam. Dank AR und Webcam können wir z.B. zu Hause vor unserem Computer die Kleideranprobe virtuell im E-Shop vornehmen. Der Automobilhersteller BMW setzt AR für seine Servicetechniker ein: Der Techniker wird mithilfe einer speziellen Datenbrille von einer App unterstützt, die ihm die nächsten Arbeitsschritte optisch und akustisch anzeigt. AR wird in optischen Ausgabegeräten wie Bildschirmen, Brillen und in Zukunft sicherlich auch Linsen integriert sein. Google macht es mit seiner Datenbrille Google Glass vor.

Ich hatte selber kürzlich das Vergnügen, Google Glass auszuprobieren (siehe Abbildung). In der Brille sieht man in einem kleinen Ausschnitt den Bildschirm. Er dient dem Abrufen von Zusatzinformationen. So erkennt Google Glass dank Gesichtserkennung sein Gegenüber, bevor es sich Ihnen vorstellen kann.

Es wird derzeit viel diskutiert, ob sich Google Glass durchsetzen kann. Viele meinen nein, weil der soziale Druck des Gegenübers («Was sieht der jetzt wohl mehr über mich?») dies nicht zulassen wird. In den USA werden Träger von Google Glass als „glassholes“ beschimpft. Ich bin anderer Ansicht. In gewissen Fällen wird der Einsatz von Google Glass für beide Seiten sinnvoll. Zum Beispiel dann, wenn Sie sich mit Ihrem Gegenüber unterhalten können, weil dieses Gerät eine Fremdsprache simultan übersetzen kann. Dann werden Sie den Nutzen rasch erkennen.

Virtual Reality

Noch abenteuerlicher wird es, sich vorzustellen, dass Virtual Reality auch im Marketing einen Nutzen stiftet. Facebook hat im Jahr 2014 die auf Virtual Reality spezialisierte Firma Oculus Rift für zwei Milliarden US-Dollar übernommen. Man zieht sich eine Art Taucherbrille über (siehe Abbildung) und sieht eine virtuelle Welt, die vom Computer gesteuert wird. Die Software oder App blendet die virtuelle Umgebung ein. Wir alle können uns vorstellen, dass wir das für Spiele einsetzen können. Multiplayer-Games werden eine neue Dimension erleben, wenn die Gamer plötzlich selbst mit anderen Gamern zusammen mitten im Spiel stehen.

Vermarkten

Erst in der Anwendung werden die Technologien sichtbar. Sie müssen einen Nutzen bieten, sonst werden sie sang- und klanglos wieder von der Bildfläche verschwinden. So könnten Anwendungen aussehen:

Shopping 3.0

Wir schlendern durch die Stadt. Selbstverständlich tragen wir nicht mehr wie heute ein klobiges Smartphone mit uns herum und schauen ständig auf die Tastatur. Das Smartphone ist unsichtbar. Je nach Vorliebe ist es in den Kleidern, in der Brille oder in der Linse integriert.

Als wir früher an Schaufenstern vorbeiflanierten, war es oft ärgerlich und enttäuschend, wenn zum Beispiel an einem Sonntag beim geschlossenen Geschäft keine Zusatzinformationen verfügbar waren; nicht einmal eine Internetadresse oder eine Telefonnummer waren angegeben. Dank der Funkchips kann man bei geschlossenem Shop die Informationen in Form eines elektronischen Flyers abrufen und die Produkte bei Bedarf auch gleich kaufen. Wenn wir durch ein Geschäft gehen, werden Produkte dank Augmented Reality und Funkchips transparenter. Produkteinformation, Videos und Preisvorteile kann man sofort abrufen. Der Gang durchs Geschäft wird dank der in der Cloud gespeicherten Einkaufsliste und dank dem im Smartphone eingebauten Navigationsgerät zum wegoptimierten Einkaufserlebnis, bei dem man Produkte nicht mehr suchen muss, sondern zu ihnen hingeführt wird. Was wir uns heute schon vom Straßennavigationsgerät von Garmin, TomTom & Co. gewöhnt sind, wird in Zukunft auch im Handel alltäglich sein.

E-Shop 3.0

Sie können es nennen wie Sie wollen … ich nenne es E-Shop 3.0. Der E-Shop 3.0 ist zu 100 Prozent virtuell. Wenn wir nicht mehr physisch vor Ort einkaufen möchten, dann kommt der E-Shop in der virtuellen Realität mit Blick in der „Taucherbrille“ zum Zuge. Wir kaufen in der Lieblingsfiliale unseres bevorzugten Händlers in der virtuellen Realität wie in einem Computergame ein. Diese Filiale ist immer gleich organisiert und orientiert sich an unserer Einkaufsliste in der Cloud. Selbstverständlich können wir auch weitere Produkte, die nicht in der Einkaufsliste gespeichert sind, kaufen, indem wir per Sprachbefehl neue Gestelle mit den gewünschten Produktkategorien anfordern. Wer den Film Matrix gesehen hat, weiß, was ich meine.

Diese Zeilen kommen Ihnen vielleicht wie Science-Fiction vor. Doch vieles aus der Science Fiction-Literatur oder aus den Filmen wie „Star Trek“ oder „Krieg der Sterne“ sind heute schon überholt. Wir lachen sogar manchmal über die Science-Fiction-Technologie von „damals“. Denken Sie einmal darüber nach.