Seit Urzeiten verbindet uns die Sprache. Auch wenn heute neue Technologien zur Verfügung stehen, gibt es immer noch genug Menschen, die ein Gespräch schätzen und nicht allein über Mail, SMS oder „WhatsApp“ kommunizieren.
Den Gesprächspartner zu hören, seinen Klang zu „lesen“ und sich unmittelbar darauf einzustellen, hat eine unersetzliche Qualität.

Sprache kann verbinden oder auch trennen. Um diese Aspekte geht es in meinem Beitrag, der einige Gedanken aus dem Blickwinkel der Mitarbeiterführung aufgreift.

„Verstanden bedeutet noch nicht einverstanden“ – dies ist eine oft zitierte Erkenntnis aus dem weiten Bereich der Kommunikation.

  • Gibt es typisch verbindende oder trennende Worte?
  • Wie wichtig ist der Sprachgebrauch in der Führung?
  • Gibt es eine „Best-Practice“ für gegenseitiges Verstehen?

Solchen und ähnlichen Fragen begegne ich in meinen Führungstrainings und Coachings häufig. Natürlich wird der Führungsprozess nicht allein durch Sprache beeinflusst. Vielmehr kommt es auch auf die Beziehung an. Stimmt die Chemie? Werden Chefin oder Chef als Vorbilder anerkannt und geschätzt, usw.? Eine gute Beziehung erträgt auch Einiges an ungeschickten Formulierungen. Und doch – Worte können verletzen, motivieren oder demotivieren, sie können aufmuntern, aber genauso Blockaden auslösen. Meistens geschieht Letzteres ohne böse Absicht, eher unbewusst, oft sogar „gut gemeint“. Aus persönlicher Erfahrung und Überzeugung möchte ich diese Hinweise geben, was Führungskräfte sprachlich beachten sollten. Dazu verwende ich bewusst negative Beispiele – quasi einen rhetorischen Giftschrank.

Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.
Kurt Tucholsky

Führungskräfte, die es mit ihren Mitarbeitenden gut meinen, merken oft kaum, wie sie durch ihr Reden das Gegenteil bewirken. Häufig liegt es daran, dass versucht wird, Mitarbeitende in ihrer Persönlichkeit zu beeinflussen, anstatt Leistung und/oder situatives Verhalten anzusprechen. Klar gibt es Situationen, wo es sinnvoll ist, Druck auszuüben, doch im Normalfall führen manche Formulierungen eher zu Blockaden und selten zu mehr Motivation.

Dominanz vermeiden

Noch häufiger begegnen mir im Training Wortschöpfungen, die den höheren Status einer Führungskraft untermauern wollen, auch wenn dies unbewusst geschieht.

  • Da haben Sie mich falsch verstanden
  • Sie müssen doch zugeben, dass….
  • Sie wollen doch nicht etwa behaupten, dass….
  • Da muss ich Ihnen widersprechen
  • Ich werde Ihnen beweisen, dass….

Auch suggestive Formulierungen können inneren Widerspruch auslösen:

  • Du hast sicher daran gedacht, dass….
  • Bist Du nicht auch der Meinung, ….
  • Bestimmt ist es Dir ein Anliegen, ….

Klarheit schaffen

„Weichspüler“ verunsichern und fördern Missverständnisse:

  • man / Jemand
  • könnte / sollte / müsste
  • eigentlich / vielleicht / grundsätzlich
  • ein wenig

Verstehen fördern

Hilfreich für eine gute Verständigung, sind Wortbilder. Bildhafte Sprache prägt sich ein und schafft Klarheit. Wenn jemand sagt: „Jetzt bin ich im Bilde“, hat er oder sie wohl wirklich verstanden.

Auch dazu einige Beispiel:

  • Wer will schon die Katze im Sack kaufen
  • Diese Beziehung ist nicht auf Sand gebaut
  • Dem Kunden sollten wir etwas auf den Zahn fühlen
  • Wenn das so weitergeht, schmilzt unser Gewinn wie Eis an der Sonne
  • Steter Tropfen höhlt den Stein
  • Das trifft den Nagel auf den Kopf
  • Wir haben herausgefunden, wo der Schuh drückt