Ein Eichenbaum versucht dem Sturm zu widerstreben, ein Strauch, sich beugend, gibt dem Sturme nach.
Noch steht der Strauch, die Eiche aber brach. Ignaz F. Castelli

Sie war schon immer da. Stand mitten in der Wiese hinter unserem Haus. Im Sommer spendete sie willkommenen Schatten. Winterkälte und die Last von Schnee und Eis hat sie weggesteckt und auch die Schnitzereien von uns Kindern hat sie verkraftet. Eines Tages kam der Anruf meiner Eltern – die Eiche ist zerstört! Lothar (26. Dezember 1999, der wohl stärkste Orkan der letzten Jahrzehnte), hatte sie zu Fall gebracht.

Für mich war diese Eiche ein Sinnbild für Beständigkeit. Doch wo und wann ist heute noch Beharrlichkeit gefragt? Alles ruft nach Flexibilität. Das wirtschaftliche Umfeld verändert sich so rasant und unberechenbar, dass Pläne oft schon nach kurzer Zeit zu Makulatur verkommen. Neue, technische Möglichkeiten beeinflussen unsere Arbeitswelt.

Wir suchen Mitarbeiterinnen mit ausgeprägter Flexibilität. Dank Ihrer Anpassungsfähigkeit arbeiten Sie sich spielend ein. Sie können sich flexibel wechselnden Bedingungen anpassen.

Solche oder ähnliche Aussagen finden sich häufig in Anforderungsprofilen.

Flexibel – was bedeutet das?

Flexibel sein (lateinischen flectere) bedeutet biegen oder beugen. Dazu sind feste Wurzeln hilfreich. Es braucht sie, um sich auf Veränderungen einzulassen, ohne haltlos zum Spielball der Umstände zu werden. Die knorrige Eiche meiner Kindheit konnte das nicht und musste dafür büssen. Wer Mühe hat, seine Komfortzone zu verlassen und dabei Risiken in Kauf zu nehmen, wird irgendwann bestraft.

Führung lebt von und für Veränderungen

Wandel ist beständig! Es gab ihn schon immer. Geändert haben Tempo und Auswirkung. Für ein Unternehmen stellt sich die Frage: „Was tun wir heute, um morgen noch dabei zu sein?“ Das erfordert Planung. Doch auch ein Plan schenkt nur bedingt Sicherheit und Stabilität. Einschneidende Veränderungen kommen oft unerwartet und erfordern hohe Flexibilität.

Ja zu Veränderungen

Sind Optimisten flexibler als Pessimisten? Vermutlich gibt es dazu keine fundierten Untersuchungen. Doch die Erfahrung zeigt, dass positive Menschen zu Erneuerungen leichter „JA“ sagen können. Sie akzeptieren den Wandel und werden zu Mitgestaltern. Diese Fähigkeit macht sie wertvoll für ein Unternehmen. Killerphrasen wie: „Das haben wir noch nie (schon immer) so gemacht“ oder „Da könnte ja jeder kommen“, sind Feinde von Veränderung und Fortschritt. Wer den Wandel nicht erleiden sondern gestalten will, ist gut beraten, sich dieser Haltung zu widersetzen.

Klammern ist Energieverlust

Wandel lässt sich nicht aufhalten. Auch die Natur verändert sich laufend. Natürlich gibt es in der Wirtschaft auch sinnlose Veränderungen. Nicht alles Neue ist zwingend besser. Oft wird Veränderung als Konfrontation erlebt. Mitarbeitende möchten am Bestehenden und Gewohnten festhalten. Eine trügerische Sicherheit! Es ist Führungsaufgabe, dafür zu sorgen, dass die wertvolle Energie im Unternehmen lösungsorientiert eingesetzt wird.

Wandel gestalten – 20 Empfehlungen für Unternehmer

  1. Allem Neuen gegenüber grundsätzlich offen sein
  2. Durch Vorbild diese Offenheit bei anderen auslösen und fördern
  3. Eine 80 % – Variante ist oft klüger als die 100 %-ige Lösung. (Pareto)
  4. Auf Ziele und Prozesse fokussieren, nicht auf Zuständigkeiten
  5. Weniger fragen, warum ein Problem besteht, sondern was daraus zu lernen ist
  6. Nicht das Planungswesen, sondern Strategien und Aktionen planen
  7. Für ehrlichen und freien Informationsfluss sorgen – unermüdlich
  8. Lernen und lernen lassen, Mitarbeiter befähigen – sie zu Mitwissern machen
  9. Talente sofort fördern und nicht erst nach einer „Bewährungsprobe“
  10. Anderen immer wieder Freiräume schaffen und zugestehen
  11. Menschen primär an ihren Handlungen messen – weniger an Worten
  12. Gefühle sofort und direkt ausdrücken – mit Feedback operieren
  13. Mut und Toleranz höher einstufen als Schuldzuweisungen und Fehleranalysen
  14. Bewusst und mehr Hinhören – andere Meinungen abwägen
  15. Über kreative Ideen lachen – nicht über Menschen
  16. Fragen und hinterfragen als Werkzeuge des Wandels nutzen
  17. Widersprüche und Friktionen austragen, nicht stehen lassen
  18. Präzise kommunizieren, Standpunkt beziehen und Ansichten fordern
  19. Schonungslose Transparenz über Entwicklungen und Realitäten
  20. Sich ein positives Menschenbild schaffen und erhalte

Bei allen von mir als Trainer und Coach begleiteten Veränderungsprozessen, waren auch die folgenden drei Fragen wegweisend:

  • Was hat uns stark gemacht?
  • Was davon können wir in naher Zukunft gebrauchen?
  • Was sollten wir besser hinter uns lassen?

Zuletzt noch dies

Vor Jahren ist mir der folgende Text aufgefallen, den ich gerne an Sie, liebe Leserinnen und Leser, weitergebe:

Was können wir vom Wasser lernen?

Es ist da und dringt überall durch. Nicht durch den Stein, der ihm in die Quere kommt, sondern – intelligent – um ihn herum. Oder es dringt in eine Ritze des Gesteins und wartet, bis es kalt wird, um dann als Eis den Stein zu sprengen.

Es ist immer da und passt sich mühelos jeder Situation an, mal wird es zu Dampf, zu Regen und manchmal zur Flutwelle.

Das Wasser setzt sich immer durch, denn es macht einen Fehler nicht, der dem Menschen häufig eigen ist. Es versucht nicht eine eigene Form zu bewahren oder zu verteidigen. Das Wasser hat gar keine Form zu wahren und zu verteidigen. Und doch – es setzt sich immer durch.