Mit Ausdauer, Motivation und Geduld zu einem bestimmten Zeitpunkt optimale Leistungen erbringen – das sind Anforderungen, die bei einem sportlichen Wettkampf genauso gelten wie im Arbeitsalltag. Damit das gelingt, braucht es konsequentes Training. Was viele oft vergessen: Der Kopf trainiert und kämpft, spielt und siegt mit. Auf der Aschenbahn und dem Fussballplatz genauso wie in den Büros und Chefetagen. Mit Mentaltraining können Sie daher das Beste aus sich herausholen.

Seit Felix Neureuther, Richard Freitag und andere Spitzensportler bekannt gemacht haben, dass für sie Mentaltraining zur erfolgreichen Karriere gehört, wollen immer mehr Menschen genau diese Methoden für sich im Alltag nutzen. Auch im Management gilt Mentaltraining inzwischen als salonfähig.

Dabei kommt es auf das Mindset an. Unser Verstand arbeitet grösstenteils mit dem Unterbewusstsein. Am besten verarbeitet unser Kopf visualisierte Informationen (Bilder). Das Gehirn ist eine Erfolgserfüllungsmaschine, die alles daran setzt, konkrete Vorstellungen zu realisieren. Wie genau lautet der Auftrag, den Sie ihr geben?

Nehmen Sie sich einmal ein Massband oder ein Lineal zur Hand. Messen Sie 15 Zentimeter ab. Diese Masseinheit steht für Ihren Verstand, der mit ca. 50 Bits pro Sekunde arbeitet. Nun stellen Sie sich eine Strecke von 11 Kilometern vor, die sich daran anschliesst. Das symbolisiert Ihr Unterbewusstsein. Es verarbeitet ca. 50 Millionen Bits pro Sekunde. Diese Erkenntnis verdanken wir dem deutschen Neurobiologen Gerald Hüther. Es existiert also ein riesiges Potenzial in Ihrem Kopf, das Sie für sich nutzen können. Und wie? Mit ganz legalem Doping!

Es ist genau wie beim Sport: Erst wenn ich im Kopf aufgebe, hören meine Beine auf zu laufen. Positive Gedanken hingegen bringen mich in einen wahren Flow – und zur Höchstleistung. Sie sollten schon am Anfang das Ende im Sinn haben. Denn genau die Erwartung, die Sie an Ihr Leben haben, schlägt sich in Ihrer Realität nieder. Es kommt also auf Ihre Einstellung und Haltung an.

«Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.»

Dieses Zitat stammt von Albert Einstein. In unserer verstandesbezogenen, rationalen Gesellschaft kommt der bewusste Einsatz der Kraft des Unterbewusstseins oft zu kurz. Dabei lassen sich in unserem Gehirn neue Bahnen anlegen und negative Programme mit positiven überschreiben.

Doch dafür braucht es Übung. Ich kenne das von Skirennen: Zur Startvorbereitung fahre ich die Strecke mental Stück für Stück ab. In meiner Vorstellung habe ich beim Start bereits jeden Streckenabschnitt konzentriert geübt. Bei meinen heutigen Aufgaben mache ich es genauso: Vor einem Vortrag gehe ich, zum Beispiel bei einem Spaziergang in der Natur, die Inhalte, die Struktur und die Dramaturgie durch. Auch ich bin nicht gefeit davor, dass sich mal störende Gedanken einschleichen, die um einen möglichen Misserfolg kreisen. Dann trainiere ich meinen Kopf auf das Wesentliche. Denn von Henry Ford weiss ich: «Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.»

Mentales Training wird in vielen Berufsfeldern angewendet. Auch höchst unerwünschte Situationen, die sich real kaum simulieren lassen, kann man dabei trainieren. Piloten beispielsweise machen das beim «Couch Flying» – in Gedanken absolvieren sie eine Notlandung ohne Fahrwerk und legen sich dabei geistig Handlungsoptionen parat, um immer einen kühlen Kopf zu bewahren.

Meine konkreten Empfehlungen für Ihr legales Doping:

  1. Üben Sie neu erlernte positive Programme mindestens zwölf Wochen lang täglich. Wenn Sie das durchhalten, haben Sie die bestmögliche Erfolgsaussicht.
  2. Denken Sie vor dem Einschlafen an etwas Schönes oder an ein motivierendes Ziel. Nehmen Sie dieses anstelle von Problemen mit in den Schlaf.
  3. Die 5-4-3-2-1-Übung, eine Selbsthypnosetechnik von Betty Erickson, ist eine Trance-Induktion und kann auch beim Einschlafen helfen. Zählen Sie zunächst fünf sinnlich konkret wahrnehmbare Tatsachen nacheinander auf und benennen Sie dann einen inneren, gewollten Zustand.
  4. Verwandeln Sie Miesmacher-Gedanken in Mutmacher-Gedanken. Legen Sie dazu eine Tabelle an, die Sie wie eine Bilanz führen. Auf der Minus-Seite steht zum Beispiel: «Ich kann das nicht.» Und auf der Plus-Seite: «Ich gehe das an!»
  5. Trainieren Sie wöchentlich die Fähigkeit, Ihre Aufmerksamkeit im entscheidenden Moment auf das Wesentliche zu fokussieren.
  6. Erstellen Sie sich ein Drehbuch, das Ihren Kopf steuert, um in Stress- oder Notfallsituationen gelassen darauf zurückgreifen zu können.
  7. Suchen Sie sich eine Aufgabe in Ihrem Leben, an der Sie mit viel Liebe arbeiten können. Und halten Sie es wie der libanesische Philosoph Khalil Gibran: «Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe. Und wenn ihr nicht mit Liebe, sondern nur mit Unlust arbeiten könnt, dann ist es besser, eure Arbeit zu verlassen und euch ans Tor des Tempels zu setzen, um Almosen zu erbitten von denen, die mit Freude arbeiten.»