Strategische Inszenierung als Basis für erfolgreiches Zukunftsmanagement

So sind wir, wir Menschen: Wir halten uns für rational, aber häufig lassen wir uns lieber von Gefühlen als vom Verstand leiten. Dies gilt fatalerweise auch in der Unternehmensführung, und dort erst recht im existenziellen Bereich des Zukunftsmanagements. Auch hier ziehen wir gerne das Bekannte und Vertraute dem Unbekannten und Neuem vor. Generell messen wir dabei den leicht verfügbaren Informationen zu viel Bedeutung bei und unterschätzen die Relevanz von Fakten und Informationen, die weniger leicht zugänglich sind …

Wie, das bezweifeln Sie? Dann betrachten Sie doch einfach einmal folgende Beispiele: Viele Menschen fürchten sich vor Haien und schwimmen deshalb ungern im Meer. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, durch einen Haiangriff ums Leben zu kommen, äusserst gering. Im Schnitt passiert das nur zehn bis fünfzehn Menschen weltweit pro Jahr. Das ist tragisch! Wesentlich gefährlicher ist es aber, wenn man sich unterhalb von Kokospalmen aufhält. Denn durch herunterfallende Kokosnüsse gibt es bis zu 150 Todesfälle jährlich. Weil sich aber eine Hai-Attacke in allen Medien plakativ präsentieren lässt, wird darüber in ausführlichen Geschichten berichtet. Die «tödlichen Kokosnüsse» hingegen sind nicht spektakulär und schaffen es deshalb kaum in die Schlagzeilen – sie werden somit stark unterschätzt.

Vorsicht vor der Verfügbarkeitsillusion

Was bedeutet das für die Führung eines Unternehmens? Auch hier schätzen Entscheider gerne die grossen Sprüche, bekannten Wege, vertrauten Prozesse und gewohnten Produkte immer noch als wichtiger und chancenreicher ein als neue Ideen und Bedürfnisse, über die sie weniger wissen. Diese Verfügbarkeitsillusion kann zu Fehlentscheidungen führen.

Das ist deshalb riskant, weil immer mehr Unternehmen erkennen müssen, dass sich wesentliche Parameter ihrer Märkte und Geschäftsmodelle ändern werden. Diese Veränderungen werden dabei oft nicht von den bekannten Wettbewerbern getrieben, sondern vermehrt von branchenfremden und häufig jungen Unternehmen, die dabei auch auf digitale Geschäftsmodelle setzen. Es gilt daher, zeitnah eine adäquate Antwort auf die Veränderungsprozesse zu finden. Ganz direkt gefragt: Wie sieht das Zukunftsbild aus, an dem sich die entsprechenden Planungen und Change-Prozesse orientieren sollen, können oder müssen? Wenn es um die Zukunft des Unternehmens geht, dann geht es nicht nur um naheliegende Gefühle oder ein träumerisches Wunschdenken. Neben kreativen Ansätzen braucht es den Einsatz von Methoden und eine gründliche Recherche, um eine plausible Verbindung zwischen der angestrebten Zukunft und der Gegenwart herzustellen. Zugegeben, das ist keine einfache Aufgabe. Auch erfahrene Berater stehen dabei vor Herausforderungen, wird man doch mit – teilweise auch widersprüchlichen – Erwartungen konfrontiert, die sich aus der Komplexität der Organisation und deren Herausforderungen durch einen dynamischen Markt ergeben. Kurz gesagt, man trifft auf ein Planungsparadox: Einerseits bedeutet Zukunftsmanagement, sich auf die Unvorhersehbarkeiten eines komplexen Geschehens bewusst einzulassen, andererseits soll die Veränderung aber bitte verlässlich und robust im Hinblick auf Überraschungen konzipiert werden.

Das Big Picture – das Zukunftsbild des Unternehmens

Für ein gelingendes Zukunftsmanagement ist es wichtig, sich beim Projektstart eine bewusste Auszeit zu nehmen – für ein gemeinsames Erlebnis, zum Beispiel beim «Marktplatz der Möglichkeiten» oder dem «Future Walk». Bei beiden Methoden wird von der Zukunft her gedacht. Um eine solide Basis für die Zukunftsszenarien zu schaffen, müssen diverse Themenfelder wie Gesetzgebung, Technologie, Umwelt etc. gründlich analysiert und mit Annahmen hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung beschrieben werden. Es geht also weniger um «Hai-Storys», sondern vielmehr um die bedeutenderen Fakten, wie bei den Kokosnüssen … Wichtig ist es, dass die Ergebnisse strategisch inszeniert werden. Dafür sollte die Wirkung visueller und erzählerischer Darstellungen von Hypothesen genutzt werden, die auf analysierten Trendentwicklungen, neuen Lebensmustern und Kundenbefragungen basieren. Es geht darum, mit Reizen zu arbeiten, die neue Perspektiven öffnen, sowie Methoden anzuwenden, die das bestehende Ordnungsmuster vorübergehend ausser Kraft setzen – um, mit allen Sinnen, Potenziale zu entfalten. Für eine erfolgreiche Zukunft.