Wie wir mit Worten Denken und Handeln beeinflussen.

Wir leben in einer Zeit voller Wörter, die unsere Gesellschaft prägen. Von „CO2-Fußabdruck“ bis „Klimaticket“, von „Rettungsgasse“ bis „Grüne Welle“, von „Querdenker“ bis „Impfskeptiker“, von „Brexit“ bis „Gewinnwarnung“. Diese Worte sind zu Ein-Wort-Geschichten geworden, die sofort Bilder und Gefühle in uns auslösen.  

Unsere Sprache verändert sich ständig, und es entstehen immer wieder neue Wörter. Während der Corona-Pandemie sind über 2000 neue Wörter entstanden, wie „Freigetestet“, „Babyelefant“ in Österreich, „Brückenlockdown“, „Boost-Effekt“, „Grüner Pass“ oder „Coronasünder“. Diese Wörter erzeugen Bilder und lösen in uns Wertungen aus. Sie zeigen uns, wo wir im sozialen Gefüge stehen. Und Wörter werden auch „verbannt“, weil sie nicht mehr politisch korrekt sind.  

Worte sind das Abbild gesellschaftlicher Veränderungen. 

 Es gibt auch viele Wörter, die ihr Potenzial nicht ausschöpfen können. Wörter wie „Nachhaltigkeit“, „Zero Waste“ und „Bio“ gehören zu ihnen. Sie werden zum Teil gehasst und nicht verstanden. Es ist an der Zeit, ihnen Bedeutung einzuhauchen und Klarheit zu schaffen. Unterstützung erhalten sie von Begriffen wie „Kreislaufwirtschaft“ und „Green Economy“, die weitaus griffiger sind und schnell Assoziationen auslösen. 

Worte brauchen Griffigkeit.   

Auf dieser Welt gibt es etwa 7000 Sprachen, und wir glauben manchmal fälschlicherweise, dass wir alle dasselbe sagen… Aber allein der Artikel eines Wortes verändert Assoziationen und Erwartungen. So ist „die Brücke“ auf Deutsch weiblich, im Spanischen „el puente“ männlich. Und entsprechend sind auch die Zuschreibungen entweder feminin oder eher maskulin. Deutsche assoziieren schön oder elegant, Spanier dagegen stark oder lang.  

Sprache ist kulturell geprägt und liefert Orientierung.  

 Sprache geht noch tiefer. Nämlich bis in unsere Geschmacksempfindungen. Denken wir dabei an die Welt des Weines. Ein Sommelier hat eine vielfältige Sprache zur Beschreibung gelernt, die dem Laien verborgen bleibt. Wer sie kennt, weiß, dass diese neue Sprache auch neue Geschmackserlebnisse eröffnet. Erst indem wir etwas benennen können, können wir es anders erfahren und erleben.  

Sprache öffnet neue Denkräume.  

Eine Studie der Stanford-Universität belegt, dass Worte unsere Erwartungen beeinflussen. Probanden bekamen einen Text über die fiktive Stadt Addison zu lesen. In einer Gruppe wurde die vorherrschende Kriminalität als „Bestie“ bezeichnet, in der anderen als „Virus“. Als man beide Gruppen fragte, mit welchen Maßnahmen sie der Kriminalität begegnen würden, löste das Wort „Virus“ Maßnahmen der Prävention aus, während das Wort „Bestie“ die massive Bekämpfung in den Vordergrund stellte.  

Sprache schafft Erwartungen.  

Worte prägen unser Verständnis der „Normalität“. Nehmen wir das Wort „hautfarben“. Üblicherweise denken wir dabei an beige, aber ist helle Hautfarbe wirklich der Standard? Wenn wir die gesamte Weltbevölkerung betrachten, wäre der durchschnittliche Hautton weitaus dunkler. Wie absurd erscheint es dann, einem Menschen mit afrikanischem Hintergrund hautfarbenes Make-up oder Söckchen zu verkaufen? In Worten steckt immer die Wahrheit unserer Selbsterzählung. In diesem Fall, dass die helle Hautfarbe als normal und Standard gilt, während alles andere nicht dazu gehört. 

„Auch Worte sind Taten“, sagte schon Wittgenstein – und können Grenzen ziehen.  

 Worte schaffen es auch zu beschönigen oder zu diskreditieren. Euphemismus vs. Dysphemismus.  

Anstelle von „Klimabewusstsein“ wird dann von „Klimahysterie“ gesprochen, anstelle von „Umweltaktivismus“ von „Ökoterrorismus“, anstelle von „Klimawandel“ von „Klimaschwindel“, anstelle von „Energiewende“ von „Energiearmut“ und anstelle von „Klimaforscher“ oder „Klimaexperten“ von „Klima-Alarmisten“. Eine pointierte Wortwahl die unsere Wahrnehmung und unsere Einstellungen extrem beeinflusst. 

An dieser Stelle sei auch die Macht der Medien erwähnt, die Meister im Einsatz von Euphemismus und Dysphemismus sind. Neue Wörter verbreiten sich wie ein Virus und verändern Einstellungen und Meinungen. Reichweite und Intensität führen dann zu neuen Wörtern in der Gesellschaft und damit zu neuen Denkmustern.  

Worte mit Reichweite und Intensität wirken noch viel stärker.  

Auch der Euphemismus hat seine Schattenseiten, denn er kann dazu führen, dass unschöne Dinge beschönigt werden: 

 „Kernenergie“ klingt besser als „Atomkraft“, „Energieeffizienz“ besser als „Energieeinsparung“, „effiziente Ressourcennutzung“ besser als „Einsparungen“ oder „Kürzungen“, „Konsolidierung der Kräfte“ besser als „Machtübernahme“ und „strategische Umstrukturierung“ besser als „Entlassungen“ oder „Jobabbau“. 

Worte drehen unsere Gedanken im Kopf herum. 

Achtet mehr auf eure Sprache und auf die der anderen.  

Wir alle tragen Verantwortung für unsere Worte.  

Lasst uns unsere Worte bewusst wählen, um mehr Verständnis und Respekt zu fördern.  

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