Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihrem gegenüber ins Gehirn und ins Herz schauen. Genau wissen, was seine Bedürfnisse sind, genau verstehen, was dieser Person wichtig ist, genau wissen, aus welchem Holz diese Person geschnitzt ist.

Und stellen Sie sich vor, es gäbe ein Modell, das über 60 Jahre in über 8.000 Studien von Hunderten Wissenschaftlern erforscht und validiert wurde und das genau das tut: Persönlichkeit messbar machen. Ein Modell, das uns einen chirurgisch präzisen Zugang zur menschlichen Psyche gibt. Welche Möglichkeiten, welche Welten würden sich da im Business auftun? Im Recruiting, um die richtigen Teams zusammenzustellen, die wirklich zusammenpassen und sich in ihren Stärken ergänzen. Für den Verkauf, weil wir dem Kunden individuell das bieten können, was für seine Persönlichkeitsstruktur (kauf-)entscheidend ist. Oder auch im Marketing, um die Zielgruppe richtig anzusprechen.

Hier kommt die gute Nachricht: Dieses Modell gibt es. Es nennt sich das O.C.E.A.N-Modell.

Zusammen mit meinem Kooperationspartner, dem Neurowissenschaftler Dr. Frederik Hümmeke, und meiner Partnerin, der Kommunikationswissenschaftlerin Vanessa Buchner, erforsche ich mit unserem Team die Anwendung seiner Weiterentwicklung – des DEEP O.C.E.A.N. Modells – in den Bereichen Coaching, Beziehungen, Führung und Marketing.

Das Modell in seiner ozeanischen Tiefe sprengt natürlich den Umfang dieses Artikels, doch ich möchte Sie mitnehmen auf einen ersten Schnuppertauchgang – auf bis zu 16 Meter. Sie werden die Aussicht lieben, versprochen!

Die Persönlichkeitsforschung hat herausgefunden, dass jeder Mensch zehn Charaktereigenschaften hat, die seine Persönlichkeit maßgeblich beschreiben, und dass diese „Persönlichkeitsmerkmale“ ab dem fünften Lebensjahr (zu über 90 Prozent) fix sind.

Wir alle kennen Menschen, die „von Natur aus“ dominanter auftreten – und andere, die, egal wie viele Managertrainings sie besuchen, sich immer etwas schwerer tun werden, sich in einem Raum voller Alphatierchen zu behaupten. Wir alle kennen Menschen, die „von Natur aus“ emphatischer sind als manche anderen, oder Menschen, die sich in Stresssituationen schneller Sorgen machen, und andere, die „von Natur aus“ stabiler sind, egal welcher Sturm ihr Segel bläht. Und während wir auf Musterebene viele Verhaltensweisen lernen können – auch solche, die sich „gegen unsere Natur“ anfühlen –, wird das, was uns leichtfällt, das, was unser Erstimpuls ist, doch immer von unserer Persönlichkeit geprägt sein.

Hier sind die fünf Ausprägungen von O.C.E.A.N. mit ihren jeweils zwei Unterbereichen und woran wir sie erkennen können:

O = Offenheit

Offenheit für Erleben: Menschen, bei denen dieses Merkmal stark ausgeprägt ist, lieben das intensive sinnliche Erleben der Welt. Sie legen Wert auf und haben oft ein Gespür für Ästhetik, sind oft kreativ und machen gerne neue und intensive Erfahrungen.
Intellekt: Intellekt (der, das ist wichtig dazu zu sagen, nicht mit Intelligenz gleichzusetzen ist) ist die Offenheit für inneres Erleben. In Strukturen denken, Zusammenhänge erkennen und das Gehirn mit Input beschäftigen sind oft Stärken und Bedürfnisse von Menschen mit „Intellekt hoch“.

C = Gewissenhaftigkeit (engl. Conscientiousness)

Fleiß: Menschen mit „Fleiß hoch“ können lange zielgerichtete Anstrengungen vollbringen. Was sie beginnen, bringen sie zu Ende. Oft arbeiten sie aber auch hart statt smart. Fleißige Gesäße weisen oft Hummeln auf.
Ordnung: Ordnung definiert sich als das Bedürfnis und die Fähigkeit, Prozesse einzuhalten.
Ordentliche Menschen sind meistens sehr zuverlässig. Vor allem sich selbst gegenüber. 
Wichtige Differenzierung: Ein aufgeräumter Schreibtisch deutet oft auch auf „Erleben hoch“ hin. Dem Ästheten gefällt die Ordnung. Dem Ordentlichen fällt es leicht, sie einzuhalten.

E = Extraversion

Enthusiasmus: Es geht um Begeisterungsfähigkeit! Menschen mit „Enthusiasmus hoch“ halten Ideen schnell für gut – und sind bereit, dafür etwas zu tun! Besonders gilt das für die eigenen Ideen.
Dominanz: Gemeint ist Durchsetzungsvermögen, also das Bedürfnis und die Fähigkeit, sich durchzusetzen. In vielen Momenten ist Dominanz begleitet von einem festen Gefühl der Überzeugung.

A = Verträglichkeit (engl. Agreeableness)

Höflichkeit: Kommt von „sich wie am Hofe verhalten“ und beschreibt Regelkonformität und das Bedürfnis nach klaren, geordneten Strukturen. Bei innovativen Regelbrechern ist dieser Bereich oft sehr gering ausgeprägt. Bei Bundeskanzlerinnen manchmal sehr hoch. Ist die StVO für Sie ein wichtiges Regelwerk oder eher eine Hinweissammlung?
Empathie: Menschen mit stark ausgeprägter Empathie haben oft die Fähigkeit, präzise wahrzunehmen, was bei anderen „los ist“. Sie legen in der Regel Wert darauf, dass es anderen gut geht und sich „alle lieb haben“. (Sie merken, dem Platz geschuldet muss ich hier teilweise stark vereinfachen … Aber Sie verstehen sicher, was ich meine.)

N = Neurotizismus

Volatilität: Gemeint ist die Fähigkeit und Tendenz, schnell in starke negative Gefühle zu gehen und diese aufrechtzuerhalten. Wut, Trauer, Hass, Angst … all das können Menschen mit „Volatilität hoch“ sehr gut. Emotionale Stabilität und Stressresistenz fallen ihnen dagegen manchmal schwerer.
Rückzug: Dies beschreibt zum einen das Bedürfnis nach Rückzug – wie der Name schon sagt –, also nach Zeit ohne andere Menschen. Zum anderen bezeichnet es auch den Teil der Persönlichkeit, der sich Sorgen macht und Ängste hat. Sich ausmalt, was schiefgehen könnte, und die entsprechenden Gefühle produziert.

Wie gesagt: Wir machen einen Schnuppertauchgang. Aber stellen Sie sich mal vor, Sie könnten nach fünf Minuten Gespräch im Kopf eine Matrix aufstellen und zu 80 Prozent genau sagen, wie Ihr Gegenüber tickt. Was würde das bedeuten … für Teams … für Beziehungen … für Marketing und Verkauf?

Haben Sie Blut geleckt? Hoffentlich nicht – das ist beim Tauchen nie klug. 😉
Aber falls doch, lade ich Sie zu einem Tiefseetauchgang der besonderen Art ein: Hier finden Sie Ihr kostenloses Ticket zum einstündigen Online-Training rund um das DEEP O.C.E.A.N. Modell: www.ocean-masterclass.de