Vor Corona haben wir uns von Jahr zu Jahr allmählich und kontinuierlich weiterentwickelt. Es gab für die meisten Firmen, außer bei Start-ups, Business as usual mit immer gleichem Geschäftsmodell. Dramatische Veränderungen waren nicht nötig, denn der Rubel rollte ja.

Dann kam Corona

Doch plötzlich hat uns im Winter 2020 ein kleines Virus wie ein Tsunami überrollt und uns gezwungen, im Lockdown neue Technologien und Verhaltensweisen zu nutzen, aber auch unser Geschäftsmodell zu hinterfragen. Viele sprachen in dieser Zeit vom „neuen Normal“. Viele dachten, dass wir diese neuen Erkenntnisse nach dem Lockdown beibehalten werden. Doch dann kam der Sommer 2020 und die meisten von uns fielen wieder in die alten Verhaltensmuster zurück. Das „neue Normal“ war vergessen und verdrängt. Wieso auch sollten wir uns mit diesen neuen Errungenschaften abmühen, wenn das alte Geschäftsmodell doch so gut funktionierte und der Rubel wieder zu rollen begann, in alter Frische sozusagen?

Doch dann kam der Herbst 2020 und die Infektionszahlen schnellten dieses Mal in noch kürzerer Zeit in ungeahnte Höhen. Jeder wusste wieder, was ein exponentielles Wachstum bedeutete. Über Weihnachten war in den meisten Regionen Europas wieder ein Lockdown angeordnet, Lockdown Nr. 2 oder 3. Jedes Land kämpfte mit unterschiedlichen Einschränkungen und versuchte, seinen Weg durch die Krise zu finden. Und wieder waren wir im Homeoffice und nutzten zwangsläufig wieder Zoom und Co. Ganz sicher hätten wir das alles gerne vermieden.

Welche positiven Entwicklungen hat Corona ermöglicht und beschleunigt?

Natürlich wollten wir alle keine Pandemie. Doch sie kam ungefragt. Betrachten wir einmal die positiven Aspekte der Krise ganz nüchtern. Früher sind wir oft für Seminare, Schulungen und Sitzungen weit herumgereist und haben dabei Tausende Kilometer zurückgelegt. Manchmal haben wir den Flieger für eine halbtägige Sitzung genutzt. Doch war das vor Corona immer nötig? Vermutlich hätten wir damals schon in vielen Situationen darauf verzichten können. Online-Meetings hatten sich kaum oder nur in Ausnahmefällen durchsetzen können. Homeoffice war vor Corona je nach Firma bereits möglich, doch mit einer gewissen Zurückhaltung. Nach Corona werden vor allem jüngere Mitarbeiter dies voraussetzen. Sie werden bei einem Bewerbungsgespräch nicht mehr fragen, ob Homeoffice möglich sei, sondern nur noch, wie viele Tage pro Woche.

Homeschooling oder Distance Learning wurde von einem Tag auf den anderen möglich. Ich bin Verwaltungsrat bei einer privaten Marketingschule. Distance Learning einzuführen war bisher am Widerstand der Dozenten gescheitert. Im Lockdown Nr. 1 dauerte es gerade mal drei Tage, bis wir auf Distance Learning umstellen konnten. Heute bieten wir das weiterhin an, mit oder ohne Lockdown. Die Studenten können zwischen Präsenzunterricht, Live-Online-Unterricht oder der Aufzeichnung wählen. Sie sind dadurch heute viel flexibler. Sie können vor Ort sein, falls es die maximale Teilnehmeranzahl aufgrund der Abstandsregelung zulässt. Sie können live von zu Hause oder wo auch immer mit dabei sein oder sich, falls dies aufgrund von Terminkonflikten nicht möglich ist, die Aufzeichnung später zu Gemüte führen. Diese zusätzliche Flexibilität wird von allen, vor allem aber von den Kunden sehr geschätzt. All das wäre ohne Corona nicht möglich gewesen.

Corona wird schon bald Geschichte sein …

Das Corona-Virus wird eines Tages Geschichte sein. Wir alle hoffen natürlich, dass dieser Tag lieber früher als später kommen wird. Ich denke, dass sich die Situation im Sommer 2021 kontinuierlich entspannen wird. Das hängt auch vom Fortschritt der Durchimpfung der Bevölkerung ab.

… doch die Digitalisierung geht nicht mehr weg

Eines ist aber auch sicher: Die Digitalisierung wird nicht mehr weggehen. Ganz im Gegenteil. Der Schub, den die Digitalisierung während des Lockdowns erfahren hat, wird noch zunehmen. Wir können nicht mehr zurück in die Zeit vor Corona. Das „neue Normal“ wird wirklich zu einem neuen Normal. Das wäre ausschließlich mit dem Lockdown Nr. 1 nicht möglich geworden, denn die Dinosaurier hätten gewonnen, weil sie wieder zu ihrem gewohnten Normal zurückgekehrt wären. Die Organisationen, die es trotzdem wagen, zum gewohnten Normal von vor Corona zurückzukehren, werden ganz bestimmt früher oder später wie die Dinosaurier untergehen.

Die Digitalisierung betrifft alle Branchen, ausnahmslos. Viele Branchen, wie zum Beispiel die Medienbranche, haben die Disruption bereits hinter sich. Andere wie die Finanzdienstleister stehen mittendrin und andere stehen kurz davor.

Ich weiß nicht, in welcher Branche Sie, liebe Leserin, lieber Leser, tätig sind. Doch auch Sie werden nicht verschont bleiben. Es trifft alle. Die einen etwas härter als die anderen. Wenn Sie meinen, ab und zu an einem Zoom-Meeting teilzunehmen, genüge, dann haben Sie noch nicht die digitale Reife erlangt, die es für den künftigen Geschäftserfolg braucht. Wir müssen unsere Unternehmungen nicht nur fit für die digitale Zukunft machen, sondern diese zu einem digitalen Unternehmen transformieren. Je nach Branche und Marktumfeld stehen Sie an einem individuellen Punkt. Es gilt nun, diesen Weg konsequent zu gehen.