„Höre“ – das erste Wort der Regel des heiligen Benedikt. In dieser Regel finden sich Grundsätze, die für Führungskräfte auch nach 1.500 Jahren noch gelten.

Die Regel des heiligen Benedikt hilft vielen Managern durch den Führungsalltag

Als Berater und Trainer habe ich bei einigen Managern die Benediktinerregel in der Büchersammlung entdeckt. Ich habe das Gymnasium im Benediktinerkloster Einsiedeln besucht. Verschiedene Mönche waren unsere Lehrer. Sie integrierten benediktinische Grundwerte in den Unterricht. Von einem Lehrer in Physik unterrichtet zu werden, der neben Naturwissenschaft auch Theologie studiert hat, ist eine lebensweisende Erfahrung. Philosophieunterricht bei einem Mönch zeigt jungen Menschen eine neue Dimension des Lebens auf.

Weshalb orientieren sich heutige, moderne Manager an einer Regel für katholische Klöster? Diese Frage führte mich dazu, die Regel des heiligen Benedikt etwas genauer zu analysieren und Führungsgrundsätze dazu zu finden. Christoph Franz, VR-Präsident des Basler Pharmakonzerns Roche, sagte dazu: „Benedikt von Nursia verteilte zwar keine Ratschläge – wer jedoch sein Regelwerk aufmerksam liest und auf die heutige Zeit, auf das heutige Management anwendet, wird gut beraten.“

Sieben Elemente aus der Regel entwickeln das (Führungs-)Verhalten

Element 1: Zuhören
Benedikt beginnt die Regel mit der Aufforderung „Höre“. Wer seinem Mitarbeiter zuhört, hat die Chance, ihn zu verstehen. Die Motivation des Mitarbeiters ist individuell. Es gibt keine Standartmotivation, die man bei Bedarf einsetzen kann. Es braucht die Gabe des Zuhörens, damit man den Mitarbeiter versteht. Wenden Sie Ihr Ohr dem Mitarbeiter zu, hören Sie auf seine Motivation, seine Wünsche und Schwierigkeiten.

Element 2: Loyalität
Ein Team soll gemeinsam funktionieren. Verständnis füreinander und miteinander bewirkt eine Loyalität zueinander. Sobald drei oder mehr Menschen miteinander arbeiten, beginnen sich Gruppen zu bilden. Trotzdem soll die Loyalität nie verloren gehen. Für die Firma einstehen, stolz sein, für eine Firma zu arbeiten – eben loyal sein, das ist ein wichtiger Wert. Das Ziel der Führungspersönlichkeit liegt darin, die Kräfte der verschiedenen Mitarbeiter zu bündeln und so das gemeinsame Ziel zu erreichen. Die Kraft eines Teams entsteht, wenn alle in die gleiche Richtung gehen und alle das gemeinsame Ziel verfolgen wollen.

Element 3: Schweigen
Eine Führungskraft muss schweigen und zuhören können. Nur so kann sie aufnehmen, erkennen und anerkennen, was dem Mitarbeiter wichtig ist. Es gibt Momente in der Kommunikation, in denen wir „einatmen“. Wir nehmen auf, indem wir zuhören und dabei sind. Es gibt Momente in der Kommunikation, in denen wir „ausatmen“. Wir verarbeiten, was wir gehört haben, und ordnen das Gehörte gedanklich in eine für uns richtige Logik. Ein- und Ausatmen funktioniert nur, wenn ich schweige. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, diese alte Binsenwahrheit stimmt auch für die Führungsaufgabe.

Element 4: Authentisch bleiben
„Ein wohlklingender Titel auf der Visitenkarte ist kein Grund abzuheben, sondern Verantwortung zu übernehmen.“ Diese Aussage von Christoph Franz bringt es auf den Punkt. Das Kapitel sieben der Demut ist ein sehr wichtiges Kapitel in der Benediktinerregel. Eigentlich sollte es normal sein, dass auch Manager die Bodenhaftung bewahren und sie selbst bleiben, aber viele Führungskräfte verändern ihr Verhalten durch die neue Funktion. Dabei hat Überheblichkeit keinen Platz in der Mitarbeiterführung. Die Autorität muss sich eine Führungskraft mit ihrer Wirkung und ihrer Persönlichkeit verschaffen.

Element 5: Das rechte Maß
Die Persönlichkeit des Menschen umfasst zwei Charakterausprägungen: die konsequente Seite und die liebevolle Seite des Charakters. Die Führungskraft muss die beiden Seiten der Persönlichkeit ausleben. Konsequent etwas verlangen und verständnisvoll für die Anliegen des Mitarbeiters sein; Leistung verlangen und loslassen können; antreiben und treiben lassen; autoritär und kollegial führen. Diese Führungsgrundsätze gilt es im rechten Maß einzusetzen.

Element 6: Freude haben
Die positive Grundeinstellung ist eine Grundanforderung an die Führungsperson. Freude, Zufriedenheit und Ausstrahlung motivieren die Mitarbeiter und sind letztendlich auch Selbstmotivation für den Vorgesetzten. Nach Benedikt hat Freude damit zu tun, dass wir Menschen trösten, ermutigen, helfen und stärken, um in der Gemeinschaft Freude zu erleben. Mit Freude zu führen macht mehr Freude.

Element 7: Wertschätzend sein
Geben Sie dem Mitarbeiter Anerkennung. Sieben von zehn Mitarbeitern reagieren positiv auf ein Lob, ein Kompliment oder ein schlichtes Dankeschön des Chefs. Fördern Sie die Motivation Ihrer Mitarbeiter, in dem Sie selbst motivierend sind. So geben Sie dem, was Ihr Mitarbeiter macht, einen Wert.

Diese sieben Elemente zeigen, dass die Regel des heiligen Benedikt von Nursia noch heute Bestand hat. Die Grundwerte der Regel sind keine überholten, altmodischen Tugenden, sondern sollten zur charakterlichen Grundausstattung einer jeden Führungskraft gehören.