Studie: Sind Frauen die besseren Führungspersönlichkeiten in einer Krise?

Es ist viel darüber gesagt worden, dass Frauen während der Covid-19-Krise bessere Führungsarbeit geleistet haben als Männer. Neue Forschungsergebnisse bestätigen das. Eine Studie ergab etwa, dass die Ergebnisse im Umgang mit Covid-19, einschließlich der Anzahl der Fälle und Todesfälle, in Ländern, die von Frauen geführt werden, systematisch besser waren. Eine andere Studie untersuchte Gouverneure in den USA und fand ebenfalls heraus, dass Staaten mit weiblicher Führung eine niedrigere Sterblichkeitsrate aufweisen.

Sind Frauen also tatsächlich besser geeignet, in einer Krise zu führen? Könnte das der Grund sein, warum man ihnen in schwierigen Zeiten die Zügel in die Hand gibt? Wir haben uns entschlossen, unsere globale Datenbank mit 360-Grad-Bewertungen zu untersuchen, um zu sehen, ob wir irgendwelche Muster erkennen, wie männliche und weibliche Führungskräfte in Organisationen auf die Krise reagieren.

Wer wird als qualifizierter angesehen, um in einer Krise zu führen?

Letztes Jahr haben wir darüber geschrieben, dass Frauen im Vergleich zu Männern von denjenigen, die mit ihnen zusammenarbeiten, als bessere Führungskräfte eingestuft werden. Die Daten für unsere Analyse wurden aus Bewertungen von über 60.000 Führungskräften (22.603 Frauen und 40.187 Männer) gewonnen. Wir haben uns ähnliche Daten angesehen, die während der ersten Phase der Covid-19-Krise gesammelt wurden, um herauszufinden, ob sich diese Bewertungen verändert haben.

Zwischen März und Juni des Jahres 2020 wurden 454 Männer und 366 Frauen hinsichtlich ihrer Führungseffektivität mit unserem Extraordinary Leader 360-Grad-Assessment bewertet. In Übereinstimmung mit unserer Analyse vor der Pandemie stellten wir fest, dass Frauen deutlich positiver bewertet wurden als Männer. Vergleicht man die Gesamtbewertung der Führungseffektivität von Männern und Frauen, so wurden Frauen erneut als effektivere Führungskräfte bewertet. Der gemessene Unterschied zwischen Männern und Frauen ist in der Pandemie sogar noch größer als zuvor, was möglicherweise darauf hinweist, dass Frauen in einer Krise tendenziell bessere Leistungen erbringen.

Frauen wurden bei 13 der 19 Kompetenzen, die die allgemeine Führungseffektivität ausmachen, positiver bewertet. Männer wurden bei einer Kompetenz – technisches/berufliches Fachwissen – positiver bewertet, aber der Unterschied war statistisch nicht signifikant.

In der folgenden Tabelle werden die Prozentwerte für Männer und Frauen angezeigt und nach der durchschnittlichen Bewertung für Frauen sortiert, basierend auf Daten, die in der ersten Welle der Pandemie gesammelt wurden.


Warum werden weibliche Führungskräfte als effektiver angesehen?

Jede von uns untersuchte Führungskraft erhielt auch einen Wert für das Mitarbeiterengagement, basierend auf den Antworten ihrer direkten Mitarbeiter auf Fragen, wie zufrieden und engagiert sie sich fühlen. Das Engagement der Mitarbeiter von männlichen Führungskräften lag leicht unter dem Durchschnitt, aber das Engagement der direkten Mitarbeiter von weiblichen Führungskräften war deutlich höher. Der Gesamtdurchschnitt sowohl für männliche als auch für weibliche Führungskräfte lag bei 51.

Um besser zu verstehen, was der Grund für den Unterschied im Engagement ist, haben wir uns die Kompetenzen angesehen, die die direkten Mitarbeiter während der Krise als am wichtigsten eingestuft waren. Besonders wichtig waren den Befragten zwischenmenschliche Fähigkeiten wie „inspirieren und motivieren“, „kraftvoll kommunizieren“, „Zusammenarbeit/Teamwork“ und „Beziehungen aufbauen“, die allesamt bei Frauen besser bewertet wurden. Unsere Analyse spiegelt wider, was die Forscher in der oben erwähnten Studie über US-Gouverneure herausgefunden haben: dass weibliche Führungskräfte ein größeres Bewusstsein für die Ängste der Mitarbeiter haben, sich mehr um deren Wohlergehen sorgen und das Vertrauen in ihre Pläne stärker zum Ausdruck bringen.

Während der Krise wollten wir auch von Tausenden von direkten Mitarbeitern erfahren, was sie an Führungskräften jetzt schätzen und was sie von ihnen brauchen. Das ist der vielleicht wertvollste Teil der von uns gesammelten Daten. Sie zeigen, dass Mitarbeiter sich Führungskräfte wünschen, die in der Lage sind, sich umzuorientieren und neue Fähigkeiten zu erlernen; die die Entwicklung der Mitarbeiter auch in schwierigen Zeiten fördern; die Ehrlichkeit und Integrität zeigen; und die sensibel und verständnisvoll sind für den Stress, die Angst und die Frustration, die die Mitarbeiter empfinden. Unsere Analyse zeigt, dass dies Eigenschaften sind, die häufiger bei Frauen wahrgenommen werden. Aber da die Krise anhält und sich vielerorts verschärft, sollten alle Führungskräfte, unabhängig vom Geschlecht, danach streben, diese Bedürfnisse zu erfüllen.