«Geschäftsmodelle, die heute noch gute Erträge bringen, können morgen oder übermorgen bereits nicht mehr funktionieren. Marketing wird an Bedeutung verlieren und durch die Digitalisierung verdrängt werden. Weil es bisher praktisch nur wenig Erfahrungswerte gibt und auch Forschung und Lehre noch keine schlüssigen Rezepte anbieten, ist die Aufgabe, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die eigene Unternehmung richtig einzuschätzen, eine sehr grosse Herausforderung. Dann noch die richtigen Schritte und Massnahmen zu definieren, ist nicht weniger anspruchsvoll.»

«Die schweizerische Bauwirtschaft ist erst daran, aus dem digitalen Dornröschenschlaf zu erwachen. Bei grösseren Unternehmungen hat die Digitalisierung der Planungs-, Ausführungs- und Kontrollprozesse jedoch schon begonnen. Ich sehe die Digitalisierung nicht als Paradigmenwechsel, sondern als eine wichtige Weiterentwicklung des Bewährten!»

Das waren Meinungen von verschiedenen Teilnehmern einer Tagung mit Workshops zum Thema Digitalisierung. Die Erkenntnisse aus den Workshops lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Digitalisierung ist Chefsache. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung müssen sich zwingend über die technologischen Entwicklungen rund um die Digitalisierung informieren und diese Aufgabe nicht nur an die IT-Verantwortlichen delegieren.
  2. Digitalisierung ist nicht gleich Informationstechnologie. Sie ist vielmehr ein Verschmelzen der digitalen mit der realen Welt und somit mehr eine philosophische und gesellschaftliche Frage oder Herausforderung als eine technologische.
  3. Die heutigen IT-Organisationen und -Strukturen zählen zu den am stärksten von der Digitalisierung betroffenen Bereichen. Immer wieder neue Informationstechnologien und IT-Systeme werden die heutigen Systeme und Prozesse ablösen und verändern, und dies auch in immer kürzeren Abständen. Daher stehen die klassischen IT-Organisationen vor sehr grossen technischen und mentalen Veränderungen. Sie sind daher nur eine geringe Hilfe bei der Suche nach neuen Wegen und Lösungen.
  4. Massnahmen benötigen ein klar definiertes Ziel. Was wollen wir mit ihnen erreichen? Wer tut was, zu welcher Zeit und zu welchem Zweck? Eine gemeinsame Sprachregelung und ein Verständnis für den Gesamtprozess sowie die unterschiedlichen Sichtweisen der Projektbeteiligten sind für eine gute Zusammenarbeit unabdingbar. Es gilt, eine Strategie zu entwickeln, bevor man diese operativ umsetzt. Am Anfang der Einführung einer digitalen Neuerung steht die Vision, nicht der Software-Kauf! Die Realisierung erfolgt dann in kleinen und überschaubaren Schritten, die bei Misserfolg auch schnell wieder abgebrochen werden können. Die klassische Methode eines bis in die letzten Details ausgefeilten Anforderungskonzepts funktioniert in der digitalen Welt nicht mehr.
  5. Digitalisierungsprojekte können nicht in den starren Strukturen einer Unternehmung realisiert werden. Unabhängige Projektteams, im Sinne von Projekt-Start-ups, sind viel beweglicher. Sie benötigen eine gewisse Autonomie und Entscheidungskompetenz. Sie berichten direkt an die Geschäftsleitung. Digitalisierungsprojekte sind kein Ersatz für Fachkompetenz. Sie ersetzen die Routinearbeit. Es lohnt sich, erfahrene Fachleute aus der Praxis miteinzubeziehen und nicht nur Technologieexperten.
  6. Hierarchisches Denken und Machtspiele, sowohl innerhalb des Projektes als auch in der Firmenstruktur, sind Gift. Die Führung durch die Geschäftsleitung und den Kader wird anspruchsvoller.
  7. Das Anpacken von Digitalisierungsprojekten braucht auch den Mut zum Scheitern. Wer nur das anpackt, was sicher erfolgreich sein wird, kommt immer zu spät oder zum falschen Zeitpunkt!
  8. Digitalisierung kann zum Beispiel in der Baubranche bedeuten, alle wichtigen Gebäudeinformationen auf einfache Art digital zu vernetzen. Diese Informationen sind dann jederzeit und überall für alle Beteiligten zugänglich.
  9. Es gibt noch nicht genug Ausbildungen auf höherer Ebene für an der Digitalisierung Interessierte. Das bedeutet, dass die Unternehmen das Personal selbst oder mit den Technologiepartnern zusammen ausbilden müssen. Vergessen Sie jedoch vor lauter Digitalisierung nicht die persönlichen, menschlichen Kontakte mit Ihren Kunden, den Mitarbeitern und den Lieferanten!
  10. Die Geschwindigkeit, in der sich digitale Tools entwickeln, ist enorm. Die Zukunft hat schon vor einiger Zeit begonnen. Digitalisierung findet heute statt und nicht erst morgen! Also beginnen Sie einfach damit. Packen Sie es an!